Autismus

Autismus


Frühkindlicher Autismus

Manifestationsalter vor dem 3. Lebensjahr - das heißt, die autistischen Symptome sind bereits vor dem 3. Lebensjahr vorhanden. Meist wird jedoch erst eine Entwicklungsverzögerung vermutet. Eine gesicherte Diagnose erhält man häufig erst nach dem 3. Lebensjahr.

Ein besonders frühes Erkennungsmerkmal in den ersten Lebensmonaten ist das fehlende/mangelnd ausgeprägte Imitationsverhalten (z.B. klatscht nicht in die Hände, wenn man es vormacht).

Die Sprachentwicklung setzt verzögert ein, ist rückläufig oder bleibt ganz aus. Etwa nur die Hälfte der Kinder mit frühkindlichem Autismus entwickelt eine aktive Sprache, wobei häufig Echoalie beobachtet wird ( z.B. Nachsprechen der gestellten Frage), das Vertauschen von Pronomen ("Ich" wird zu "Du").

Es fehlt zudem die Begleitgestik, passende Mimik/Tonfall. Sehr typisch bei dieser autistischen Störung ist, dass die mangelnde Sprachfähigkeit nicht durch Gestik ersetzt wird, wie man es beispielsweise bei hörgeschädigten Kindern beobachten kann.

Qualitative Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion wie fehlender Blickkontakt, soziales Lächeln, auf Gefühlen basierende Mimik. Beziehung zu Gleichaltrigen wird nicht oder in unangemessener/ungewöhnlicher Form aufgenommen. Fehlende/unangemessene/ungewöhnliche Reaktion auf Kontaktaufnahme anderer. Unfähigkeit, Freundschaften zu schließen. Aufmerksamkeit oder Freude werden nicht mit anderen geteilt, bzw. andere auch nicht auf Dinge aufmerksam gemacht, an denen Interesse besteht. Menschen werden durch Hinführen und Zeigen mit deren Arm bzw. deren Hand als Werkzeuge benutzt. Es fehlt die sozio-emotionale Gegenseitigkeit. Die Reaktionen in sozialen Situationen sind häufig unangemessen.

Das Spielverhalten ist sehr eingeschränkt. Zu sogenannten "So-tun-als-ob-Spielen" ist das Kind nicht oder nur sehr eingeschränkt in der Lage. Das Spielzeug wird zweckentfremdet benutzt. Das Interesse beschränkt sich eher auf Teile eines Objekts als auf das Ganze. Es entwickeln sich Stereotypen wie z.B. Drehen von Rädern, Wedeln mit Papier.

Selbststimulierende Verhaltensweisen können auftreten bis hin zu Selbstverletzungen. Gerade diese bedeuten einen besonderen Leidensdruck für die Eltern, da sie darauf so gut wie keinen Einfluss nehmen können. Oft bestehen enorme Veränderungsängste (Umräumen des Zimmers, fremde Umgebungen, neue Einkaufswege/Autorouten, neue Tätigkeitsabläufe im Alltag). Normale Gefahrenquellen (heißes Wasser, fahrende Autos, tiefer Abgrund) werden oft nicht erkannt, was einen hohen Betreuungsaufwand der Eltern erfordert.

Asperger Syndrom

Qualitative Beeinträchtigung der gegenseitigen sozialen Interaktionen, sowie begrenzte Verhaltensmuster und Interessen, jedoch keine wesentlichen Verzögerungen in der Sprachentwicklung. Jedoch oft sehr wörtliches Verstehen von Sprache. Probleme im Erkennen sozialer Regeln (Kindergarten, Schule).

Fehlendes/mangelndes Erkennen von Gefühlen der Mitmenschen (Theory-of-Mind), wirken daher oft unsensibel/verletzend.

Altersgemäße Fertigkeiten sind vorhanden, das Anpassungsverhalten weist - außer in der sozialen Interaktion - keine großen Verzögerungen auf. Das Kind zeigt Interesse an der Umwelt.

Die autistische Störung wird meist erst mit Eintritt in die Schule erkannt aufgrund mangelnder Anpassung in ein Klassengefüge bzw. auffälligem Sozialverhalten.

Autismusspektrum

Zusammenfassend sollte noch hervorgehoben werden, dass die Erscheinungsformen des Autismus so vielfältig sind wie die Charaktere der Menschen. Auch, wenn nicht alle Kriterien eines Syndroms erfüllt sind, kann die Art des Störungsbildes dennoch eine autistische Form sein und dadurch ebenso in den Bereich des Autismus einzuordnen sein. Dies erfordert geschulte und erfahrene Diagnostiker. Besondere Schwierigkeiten für Menschen mit Autismus bestehen immer im Erkennen der Gefühle anderer Menschen, im Deuten von nonverbalen Signalen (Mimik, Tonfall, Gestik), beim Verständnis von Humor/Ironie.

In diesem Zusammenhang wurde der Begriff "Theory-of-Mind" gebildet (die Vorstellung vom Bewusstsein/den Gefühlen/Gedanken des Anderen). Diese fehlende bzw. mangelnd ausgebildete Fähigkeit - je nach Schweregrad und Ausprägung - ist ein sehr kennzeichnendes Merkmal für den Autismus.

Autor: Webmaster autismus.com

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