Folgende Angebote  zum Thema Autismus & Inklusion werden für Wiener Schulen gefördert!

Workshop für Schüler*innen: Autismus & Inklusion

Seminar für Lehrer*innen: Autismus & Inklusion

Vortrag für Eltern, Lehrer*innen und Schüler*innen

Autismus & Schule

Schule ist eines der wichtigsten Themen für Eltern junger Autist*innen. Es fordert alle Beteiligten heraus, es fordert ein teilweise noch sehr verschlossenes und wenig inklusives System heraus. Die meisten Biographien autistischer Menschen haben keine glückliche Schulzeit vorzuweisen und das hinterlässt in der Regeln auch tiefe Spuren auf der Seele. 

Diese Seite möchte näher durchleuchten was Schule für Autist*innen sein könnte, welches große Potenzial es hier gäbe, wo die Hürden und die Stolpersteine liegen. 

Welche Rechte und Pflichten es rund ums Thema Schule gibt, sowohl für die Insitutition Schule als auch für Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen.

Hilfsmittel für Autist*innen und die ganze Klasse werden hier auch vorgestellt – bald ist es soweit! Der erste Beitrag scharrt schon in den Startlöchern. 

Und hier kannst auch Du Teil von www.autismus.com werden. 

Erfahrungsberichte über geglückte, aber auch über schwierige Inklusion an Schulen, über Lehrer*innen, Stützkräfte und Einliederungshilfen, über besonders ambitionierte und besonders konservative Ämter und ihre Mitarbeiter*innen, dürfen hier Platz finden.

Mit Namen und Foto, Anonym oder mit veränderten Namen, alles ist erlaubt und erwünscht. Für Dich und Deine Geschichte muss es passen. 

Und auch ein paar Fragen, die für viele andere Eltern sehr interessant sind, möchte ich hier gerne beantworten können. Beispielsweise diese:

  • Welche Schulen sind in deiner Region besonders offen für die Inklusion autistischer Kinder?
  • Welche Sonderschulen/Förderschulen erlebst du als besonders kompetent im Umgang mit autistischen Kindern?
  • Wer finanziert in deinem Bundesland/deinem Bezirk die Schulbegleitung?
  • Bei welcher Schule würdest du dir noch eine Weiterentwicklung des inklusiven Gedankens wünschen? Was konkret braucht es dort deiner Meinung nach?
  • Wo hakt es deiner Meinung nach im ganzen System? Und was könnten sinnvolle Adaptionen sein?

Vorweg: Auch hier ist mir ein konstruktiver Ansatz sehr wichtig. Ich weiß, wie viel Ungerechtigkeit, Benachteiligung und Diskrimierung unsere Kinder im schulischen System fallweise erleben. Die Darstellung eines Falles soll also ehrlich und keineswegs beschönigend sein, aber eben auch nicht eine einzige destruktive Beschimpfung! Du darfst deiner Enttäuschung, deiner Sorgen und Ängste, auch der erlebten Verletzungen natürlich Ausdruck verleihen – denn auch das ist ein wichtiger Teil dessen was wir und unsere Kinder erleben. Wir zerreissen hier aber auch nicht öffentlich und mit Namen Personen, die es leider nicht so gut machen, wie es für unsere Kinder wichtig wäre.

Meine Vision dahinter ist es Schulen aufzuzeigen wo es schon wirklich gut läuft, Entwicklungen darzustellen die in eine wünschenswerte Richtung gehen und am allerwichtigsten: Schulen konstruktiv zu begleiten wo es noch viel zu tun gibt. 

Wir fokussieren uns also darauf, was wir uns wünschen, was unsere Kinder brauchen und wie es sinnvoll und für alle bereichernd umgesetzt werden kann. 

Inklusion macht Schule - Wie erleben das Eltern?

Welche Schule ist die Beste für unser Kind?   Diese Frage stellen sich Isabella und Sebastian schon seit Monaten.  Derzeit besucht ihr gemeinsamer autistischer Sohn Bernhard den Kindergarten und hat noch ein ganzes Jahr vor sich – sein letztes Kindergartenjahr. In den…

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UN-Behindertenrechtskonvention

Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde in den Jahren 2001-2006 von einem Ausschuss der UN-Generelversammlung erarbeitet. Im Verlauf wirkten 120 Staaten und 468 Nichtregierungsorganisationen daran mit, bis schließlich am 13. Dezember 2006 das Übereinkommen und ein Fakultativprotokoll verabschiedet wurden. Das Fakultativprotokoll eröffnet Einzelnen oder Personengruppen die Möglichkeit eines internationalen Beschwerdeverfahrens.

 

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Die beiden gängigsten Schulangebote für autistische Schulanfänger*innen im Vergleich:

Volksschule

 

Vorteile

  • Die Schule befindet sich direkt im Ort.
  • Die Kinder aus dem Kindergarten wären schon bekannt und mit dabei.
  • Die Vorbilder wären sozial und geistig gesunde Kinder.
  • Langfristig wäre die Inklusion in der Gemeinde viel selbstverständlicher, wenn er in der Schule auch schon immer dabei war.
  • Die Entwicklung im Sozialverhalten wird viel selbstverständlicher gefördert, da er eben nicht unauffällig unter auffälligen Kindern ist, sondern das auffällige Kind, dem man so eher dabei hilft es richtig zu machen.

Nachteile

  • Nicht alle Eltern aus der Umgebung sind offen für eine Inklusionsklasse – die Angst, das eigene Kind wäre dadurch benachteiligt ist sehr groß – es wird sicher Gegenwind geben
  • die Flexibilität ist nicht sehr groß, die Regeln und Zeitabläufe sind rigider.
  • für die meisten Lehrer*innen ist Autismus höchstewahrscheinlich absolutes Neuland
  • er könnte von den anderen Kinder gemobbt werden
  • In Ö: integrative Regelbeschulung endet schon nach 8 Jahren, sofern es nicht möglich ist eine höhere Schule zu besuchen.

Sonderschule

 

Vorteile

  • Die Klassengröße ist sehr klein.
  • Es gibt die Möglichkeit sich ganz auf sein Lernniveau einzustellen.
  • Die Stundeneinteilung und die Abläufe sind viel flexibler.
  • Lehrer haben Vorkenntnisse und Erfahrungen mit Autismus.
  • Er ist nicht ein auffälliges Kind unter unaufälligen, sondern eines, das wie alle anderen eben auch,  einfach nur speziell ist.
  • In Ö – bis zu 12 Jahre Besuch möglich

Nachteile

  • Die Kindern wären sehr schwierige soziale Vorbilder – da viele von ihnen aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen und manche auch zu Gewalt neigen.
  • Auch geistig schwer beeinträchtige Kinder als alleinige Sozialkontakte können ihn in seiner sozialen Entwicklung nicht unterstützen.
  • Der Begriff Sonderschule fühlt sich an sich schon wie ein Stigmata an.
  • Räumlich wäre der Schulbesuch mit einer längeren Autofahrt verbunden und würde zusätzlichen Stress bedeuten.
Richtlinien für die Umsetzung und das Monitoring von Qualitätsstandards im inklusiven Unterricht von Schüler/innen mit Behinderung

Ziel ist: „das größtmögliche Ausmaß an Förderung zur Entwicklung ihrer individuellen Fähigkeiten und Voraussetzungen erfahren, und ein Maximum an Integrationschancen in die soziale Umwelt und in die Gesellschaft erhalten.“ Diesem Ziel ist die Unterrichtsgestaltung und auch die Schule anzupassen – und nicht umgekehrt.

Standards auf Klassenebene

  1. Standards zur Sicherstellung der sozialen Kontinuität
  2. Standards zur Umsetzung des Prinzips der Heterogenität
  3. Qualifizierte sonderpädagogische Förderung
  4. Individuelle Förderung

 

ad 1)

  • Klassenvorstand sollte mindestens eine halbe Lehrverpflichtung im inklusiven Setting unterrichten – evtl. wird dafür Sonderpädagog*in als Klassenvorstand eingesetzt
  • Lehrerteam möglichst klein halten – dafür ist auch fachfremder Unterricht zu tolerieren (!), nur eine Sonderpädagogin, nicht splitten.
  • Grundkenntnisse integrativer Teamarbeit und inklusive Haltung bei den Lehrer*innen ist unbedingt notwendig

 

ad2)

  • KEINE Überrepräsentation von Schüler*innen mit sozio-emotionalen Schwierigkeiten, Sprachdefiziten in der Unterrichtssprache oder Lernproblemen

 

ad3)

  •  eine (!) Lehrerin bzw. ein Lehrer mit Spezialisierung in Sonder- und/oder inklusiver Pädagogik unterrichtet mit einem für die Situation notwendigen Ausmaß an Unterrichtsstunden
  • zusätzlich eingesetzte Lehrer*innen sollen über eine adäquat Zusatzausbildung und/oder Bereitschaft zu begleitenden Fortbildung verfügen!
  • sonderpädagogische Ressourcen sollen angemessen auf die Wochentage aufgeteilt werden und nicht auf wenige Tage komprimiert.

 

ad4) 

  • und zwar nach 2009 festgelegten Standards (

    )

Standards auf Schulebene

  • Förderung der Schüler*innen mit Behinderung wird in das standortspezifische Förderkonzept explizit mit einbezogen.
  • Förderkonzept st für alle Lehrkräfte verbindlich und wird laufend evaluiert
  • Sonderpädagogische Ressourcen sind am Standort so zu bündeln, dass damit die maximale Wirksamkeit erzielt werden kann. 

Standards auf regionaler Ebene

  1. Standards für die Zuteilung von Ressourcen
  2. Standards für die Überprüfung der Qualität der Praxis an Inklusionsstandorten

 

 ad1)

  • Bedarfsgerechte, transparente, nachvollziehbare und die Erfordernisse der einzelnen Inklusionsstandorte berücksichtigende Zuteilung von Ressourcen durch die regionale Schulaufsicht
  • Im Primarbereich (Volksschule) ist der wohnortnahen Inklusion der Vorzug zu geben zum Zwecke der sozialen Einbindung.

 

ad2)

  • Regelmäßige externe Überprüfung durch regionales Schulaufsicht im Zusammenwiken mit einem Expert*innen-Team  z.B. dem Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik (ZIS)
  • Jährlicher Bericht zur Qualitätsentwicklung sonderpädagogischer Förderung in der Region unter besonderer Berücksichtigung der Einhaltung der Qualitätsstandards für die Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Bedürfnissen

In diesem Zusammenhang ist jedoch zu beachten, dass im Einzelfall nicht immer alle angeführten Standards eingehalten werden können, da sonst unter Umständen den individuellen Verhältnissen am Einzelstandort, die oft auch situationsspezifische Lösungen erfordern, nicht entsprochen werden kann.

Es handelt sich bei den Standards also um Soll-Bestimmungen, deren Nichteinhaltung aber der Rechtfertigung bedarf und eine Pflicht zur Rechenschaftslegung impliziert.

 

Quelle: https://bildung.bmbwf.gv.at/ministerium/rs/2015_17_beilage.pdf?6cczm3

Wer es gerne genauer hat und sich selbst mit den Quelltexten befassen möchte, findet hier die beiden Dokumente im .pdf Format. Für den Vollbildmodus einfach drauf klicken.

Neben diesen ‚Richtlinien für die Umsetzung und das Monitoring von Qualitätsstandards im inklusiven Unterricht von Schüler*innen mit Behinderung‘ ([efn_note]https://bildung.bmbwf.gv.at/ministerium/rs/2015_17_beilage.pdf?6cczm3[/efn_note]) gibt es auch noch zusätzliche Faktoren die für autistische Schüler*innen eine sehr wichtige Rollen spielen. Sie werden im Nachteilsausgleich berücksichtigt. 

Nachteilsausgleich für autistische Schüler*innen

Niemand darf wegen seiner/ihrer Behinderung benachteiligt werden.

Stattdessen müssen differenzierte organisatorische und methodische Angebote helfen die Behinderung angemessen zu berücksichtigen. 

Die fachlichen Anforderungen müssen sich am jeweiligen Bildungsweg (Lehrplan ???) orientieren und dürfen nicht geringer bemessen werden. 

Der Nachteilsausgleich ist auch ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zu gewähren, sobald die Diagnose ASS vorliegt. 

Im Zeugnis darf der Nachteilsausgleich nicht aufscheinen. 

Art und Umfang des Nachteilsausgleiches wird von der Schulleitung festgelegt – basierend auf einem ärztlichen oder pschologischen Attest, das Art der Behinderung und die zu erwartenden Auswirkungen auf das schulisches Leistungspotenzial beschreiben.

Beispiele für einen Nachteilsausgleich für Autisten

  • Leistungskontrolle schriftlich – nicht mündlich
  • spezielle Arbeitsmittel (Laptop, PC, Diktiergerät) bereitstellen / zulassen
  • Arbeitsplatz individuell, reizreduziert gestalten
  • Strukturierungshilfen anbieten, die bei der Selbstorganisation helfen (link zur schlauen Box)
  • Aufgabenstellungen visualisiert aufgearbeitet anbieten (TEACCH)
  • Verzicht auf Arbeitsformen, die soziale Interaktion erfordern (Gruppenarbeit etc.)

eine umfangreichere, wenn auch längst natürlich nicht vollständige Auflistung der möglichen Wege einen Nachteilsausgleich zu gewähren findet sich in meinem Leitfaden. 

 

Da ist jetzt autismus.de die Quelle – also größtmögliche Achtsamkeit beim Zitieren und korrekt wiedergeben.

Nachfolgend daher einige nur exemplarische Beispiele zur Umsetzung von Nachteilsausgleichen (siehe dazu auch die Stellungnahme des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V. unter www.autismus.de):

Unterrichts- und Schulorganisation:

– Schriftliche Leistungen anstelle mündlicher

– Bereitstellen/Zulassen spezieller Arbeitsmittel, z.B.: Laptop, PC, Kassetten-recorder,

Diktiergerät)

Individuelle Arbeitsplatzorganisation (z.B. Reizreduzierung):

– Hilfen zur Selbstorganisation (Strukturierungshilfen)

– Visualisierung von Aufgabenstellungen

– Verzicht auf soziale Arbeitsformen (Partner-, Gruppenarbeit)

– Verzicht auf Mitschriften (z.B. von der Tafel)

– Separater Raum für Klassenarbeiten

– Zeitzugaben bei Klassenarbeiten

– Modifizierung der Hausaufgaben

– Individuelle Pausengestaltung (z.B. Verweilen in Ruhezimmer /Bibliothek zwecks

Rückzug) –Teilnahme an Schulveranstaltungen auf freiwilliger Basis Unterrichtsfächer:

Sprache, Aufsatzerziehung, Literaturstudium:

– Alternativ Nacherzählungen akzeptieren unter Gebrauch von Strukturierungshilfen

(Bsp.: Gliederungspunkte vorgeben, incl. Umfang und Zeitangaben)

– Erläuterungen zur Aufgabenstellung

– Inhaltsangaben, Beschreibungen

– Strukturierungshilfen, eindeutige Aufgabenstellung, mehr Zeit Interpretation, Lyrik,

Texte mit sozialen Implikationen (Problem: mangelndes Vorstellungsvermögen, Nichterfassen von Bedeutungszusammenhängen)

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– Metaphern vermeiden bzw. Wörterbuch bereitstellen

– Alternative Themen aus Erlebnisbereich des Betroffenen wählen

– Bewertung bezieht sich auf die erkennbare Logik

– Alternativ zu Textarbeit in der Lyrik z.B. Referat über Texthistorie

– Das Schriftbild darf grundsätzlich keine Bewertung erfahren.

Fremdsprachen

– Beispiele aus dem Bereich Sprache sind übertragbar.

Naturwissenschaften / Gesellschaftskunde:

– Gleiche Maßstäbe wie für den sprachlichen Bereich

– Faktenwissen (Funktionsbeschreibungen, Sachtexte) ersetzt Themen mit emotionalen

und sozialen Anteilen.

Mathematik:

– Größere Exaktheitstoleranz in Geometrie

– Unterschiedliche Strukturierungshilfen bei unterschiedlichen Aufgabentypen

– Textaufgaben ohne sozialen Kontext

– Akzeptanz individueller Rechenwege, sofern diese zum richtigen Ergebnis führen

Musischer Bereich:

Musik:

– Schriftliche Leistungen anstelle mündlicher

Kunst:

– Konkrete Aufgabenstellungen anstelle freier Themenstellungen

– „Zeichnen“ anstelle von „malen“

Sport:

– Individualsportarten anstelle von Mannschaftsspielen bewerten

– Keine Bewertung motorischer Leistungen

– Ggf. Aussetzen der Bewertung

Prüfungen:

– Schriftliche Prüfungen ersatzweise zu mündlichen Prüfungen

– Mehrere Prüfungsaufgaben sukzessiv vorlegen

– Separaten Raum bereitstellen

– Gewährung von Auszeiten bzw. Unterbrechungen

– Verzicht auf die Teilnahme an Gruppenprüfungen

– Sprache: Umformulierung von schriftlichen Fragen/Texten, die Metaphern enthalten

– Mathematik: Textaufgaben vorlesen, etwaige unklare Begriffe austauschen/erklären

•Verzicht auf soziale Arbeitsformen (PA-. Gruppenarbeit)

•Separater Raum für Schularbeiten

•Zeitzugaben bei Schularbeiten

•Weitere Beispiele für Möglichkeiten eines Nachteilsausgleichs in den einzelnen Unterrichtsgegenständen: Deutsch, Fremdsprachen Mathematik, Musikerziehung/Bildnerische Erziehung/Bewegung und Sport sowie Prüfungssituationen unter www.autismus.de