Freizeit…

Das schien es für mich mehrere Jahre lang nicht mehr zu geben. Jedenfalls nicht in der Form wie ich es vor meiner besonderen Mutterschaft gewohnt war. Und das trifft wohl fast alle Eltern, die gerade dabei sind eine junge autistische Persönlichkeit kennen  zu lernen und groß zu ziehen. 

Wenn dann vielleicht die schwierigste Phase vorbei ist und schön langsam auch wieder an Freizeitgestaltung gedacht werden kann, ja spätestens dann stellt sich heraus, dass die meisten Angebote einfach ungeeignet sind.

Zu laut, zu viel, zu bunt, zu unflexibel, zu unbelastbar, zu schwierig,… ach das Leben war auf vielfältige Weise ‚einfach zu… alles‘.  

Viele Angebote würden zwar inhaltlich interessieren, sind aber schließlich aufgrund der Rahmenbedingungen nicht machbar. So wäre mein junger Mann beispielsweise ein grobmotorisch sehr interessierter und nicht ganz untalentierter Klettermax – aber es gibt einfach keine Termine, an denen wir uns eine Kletterhalle nicht mit unzähligen anderen jungen Klettertalenten teilen müssten. 

In den Zoo? Ja klar, er liebt Tiere! Was er nicht liebt: Vorm Zoo in der Warteschlange stehen. Was wär es da fein, einen eigenen Zugang für ‚ungeduldige‘ Autist*innen zu haben – also nur, weil das Abenteuer sonst vorm Eingang endet und danach nicht nur dieser Tag, sondern auch die ganze nächste Woche irgendwie gelaufen ist.

Die Liste ließe sich fast unendlich fortsetzen, denn die meisten Freizeitangebote sind mit kleineren und größeren Hürden für Autist*innen verbunden und wenn auch nicht alle, so ließen sich zumindest manche davon etwas entschärfen. Für die Anbieter lohnt sich das aus wirtschaftlicher Sicht natürlich nicht – um so mehr freue ich mich über positive Beispiele, Initiativen und auch ganz spezielle Freizeitangebote für Autist*innen jeden Alters. 

Ein großer deutscher Vergnügungspark und auch ein Schweizer Zoo haben bspw. mit einen Autismus-freundlichen Tag von sich lesen lassen. Diese Möglichkeit haben viele Einrichtungen – wo ein Wille, da ist sicher auch ein Weg. Gemeinsam könnten wir es sicher auch schaffen, die eine oder andere Einrichtung zu einem solchen Tag zu bewegen – denn es darf ruhig davon ausgegangen werden, dass viele Zoos, Kinos und Theater, Sportzentren, Museen, Vergnügungsparks und was es sonst noch alles zu besuchen gäbe, einfach auch gar nicht den Bedarf kennen. 

Autismus-freundlich würde ich an dieser Stelle einfach an ein paar Parametern festmachen, die natürlich je nach Lokalität eine entsprechende Feinjustierung brauchen. 

  • Definierte Ruhezonen sind als Rückzugsmöglichkeit eingerichtet und gut beschildert und markiert auffindbar, gegebenenfalls auch in einem Plan eingezeichnet. (Der natürlich für dieses ‚Event‘ eigenes erstellt werden muss.)
  • Die Öffnungszeiten werden an diesem Tag ein Stück weit ausgedehnt, damit ein Zeitfenster entsteht, in dem ausschließlich Autist*innen und deren Begleiter*innen das Angebot nutzen können – ungestört von dem Andrang der restlichen Besucher*innen
  • Alle Mitarbeiter*innen werden im Vorhinein informiert und auch über das Thema Autismus, sowie einem wertschätzenden, unterstützenden und unaufgeregten Umgang aufgeklärt und eingeschult.
  • Zusätzliche Mitarbeiter*innen stehen zur Verfügung um Angebote, die sich für Autist*innen nicht von selbst erschließen erlebbar zu machen. (Also mehr Infos in einem Museum, Führung durch einen Zoo, Workshops für alle Sinne in einem Theater, Trainer in einem Sportzentrum die Geräte und Funktion erläutern, whatever…)
  • Eigener Eingang, oder Vorbeileitung an der Warteschlange.
  • Visuelle Kennzeichnung durch Kappe, Sticker, Buttons, etc. um Mitarbeitern und anderen Gästen Rücksichtnahme zu erleichtern.
  • Bodenmarkierungen, besonders eindeutige und auffällige Beschilderungen und/oder eigener Lageplan für Toiletten, Ausgänge, Ruhezonen – die zur persönlichen Vorbereitung schon im Vorhinein erhältlich sind. 
  • Besonders schön wäre auch noch die Übernahme der Eintrittsgelder durch Sponsoren.

Diese Punkte sind inspiriert durch die Anmeldung zum Autismusfreundlichen Tag im Zürcher Zoo – auf www.autismus.ch und lassen sich sicher auch noch durch anderen Anforderungen und Wünsche ergänzen.

Hier bist Du gefragt! Welche Angebote würdest Du so gerne mit deinem autistischen Kind mal wahrnehmen können? 

  • Ein Besuch einer Ritterburg oder eines Schlosses?
  • Ein Tag im Vergnügungspark
  • Eine Nachmittag in einem Konzert mit klassischer Musik, oder einer Kinderoper?
  • Ein Konzert einer Lieblingsband? … aber eben ganz leise und ohne die vielen anderen Fans!
  • Ein Tag im Zoo?
  • Ein Besuch in einem bestimmten Museum? etwa ein technisches Museum – ein Ort voller Spezialinteressen!
  • Eine Heißluftballonfahrt?
  • Ein Tag in einem Aquapark? Ohne die vielen anderen Kinder, die so viel herumspritzen!
  • Ein Treffen mit dem Lieblingsstar? 
  • Ein Nachmittag im Indoorspielplatz mit einer eingeschränkten Kinderzahl und mit ganz wenigen Dezibel Lärm?
  • Eine Nacht (oder eine halbe) im Planetarium? ohne sich das Teleskop mit vielen anderen Augen teilen zu müssen?
  • etwas noch viel spannenderes?

Lass Deiner Phantasie freien Lauf und stell dir vor ‚Alles ist möglich‘ und ‚Doch, das Leben ist ein Wunschkonzert!‘ – was möchtest du gern mit deinem Kind erleben?

Hier ist Platz für Deinen Beitrag!

 

Diese Plattform soll uns allen helfen und ein Ort sein, an dem wir Information teilen.

Hier möchte ich gerne Angebote vor den Vorhang holen, die Du empfehlen kannst!

  • Freizeitangebote
  • Hotels, Pensionen und Urlaub am Bauernhof
  • Einrichtungen, die sich mit ihren Angeboten speziell an autistisches Publikum, oder Publikum mit besonderen Bedürfnissen wenden
  • All-Inkluse-Urlaub für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, spezielle Ferienangebote für Familien mit besonderen Kindern etc. 

Du darfst hier positive Erfahrungen teilen, Betriebe und Menschen vor den Vorhang stellen und natürlich auch deine eigenen Angebote vorstellen! 

Als Mutter und Therapeutin weiß ich, dass wir und unsere Kinder immer wieder sehr schlechte, anstrengende und verletzende Erfahrungen machen, wenn wir Freizeitangebote nützen wollen, oder einmal wo anders nächtigen, oder uns einfach mal was ansehen, was wir noch nie gesehen haben. Auch für diese Erfahrungsberichte ist hier Platz – es ist ja auch sehr wichtig zu erfahren, wo es noch wie viel Luft nach oben gibt, und was Anbieter noch alles optimieren können um unseren Kindern und uns gerecht werden zu können. Trotzdem möchte ich hier unbedingt noch um eine wertschätzende Grundhaltung und ausschließlich konstruktive Kritik bitten. Frust loswerden bitte nur anonymisiert – ich möchte hier niemand namentlich anprangern, der es noch nicht so gut gemacht hat – die Vision hier ist es konstruktiv zu verbessern was noch getan werden kann!