Komm!ASS® ist ein Therapieansatz zur Interaktions- und Sprachanbahnung bei Autismus-Spektrum-Störungen und anderen Entwicklungsbeeinträchtigungen.

Die Methode im Kurzüberblick

Grundlage für diese Methode sind das Setzen spezifischer Reize – für alle Sinneskanäle. Dabei wird die individuell, besondere Reizverarbeitung und Wahrnehmung berücksichtigt und mit einbezogen. Auf diesem Weg werden eine gemeinsame Aufmerksamkeit erreicht und lebendige Interaktion ermöglicht, die exekutiven Funktionen verbessert, die Selbstwahrnehmung verbessert und Selbstverletzendes Verhalten reduziert.

Ziele: Interaktions- und Sprachanbahnung bei Autismus, die Umwelt und das Gegenüber im positiven Austausch erleben.

Dauer/Einheit: 45 Min. mit dem Kind und 15 Min Absprache mit den Eltern.

Frequenz? etwa 2x/Woche, Anfangs tendenziell auch 3x/Woche und später nur mehr 1x/Woche; bei schwieriger, weiter Anreise gibts auch eine Intensivtherapie: 2x täglich Therapie über 5 oder 10 Tage.

Wo? Im Autismuszentrum Komm!ASS und bei ausgebildeten TherapeutInnen – Kontakte hier. Besuche im häuslichen Umfeld sind ebenso möglich.

Wer darf therapieren? TherapeutInnen mit der Komm!ASS Grundausbildung und Aufbauausbildung – Kontakte hier.

Ablauf einer Einheit? Kind und TherapeutIn sind viel in Bewegung. Während und zwischen den Aufgabenstellungen kommt auch immer wieder Schaukel und Trampolin zum Einsatz. Näheres dazu im Interview mit Ulrike Funke.

Die Frau hinter Komm!ASS

Cornelia Funke ist die Urheberin dieser Autismus-Spezifischen therapeutischen Methode. 

Seit 2003 arbeitet sie mit autistischen Kindern und Jugendlichen. Aus dieser Arbeit hat sich das Therapiekonzept Komm!ASS® – Führen zur Kommunikation entwickelt. 2010 fand die erste Fortbildung zu Komm!ASS® in Ulm statt. Seither wächst das Interesse an diesem Konzept stetig. Seit 2013 sind Frau Funke und Frau Klenner ein Team und arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung von Komm!ASS®.

 Seit 2017 gibt es außerdem das Autismuszentrum Komm!ASS® in Schriesheim, nahe Heidelberg. Fortbildungen  gibt es im deutschsprachigen Raum.

Autismus-Spektrum-Störungen sind Störungen der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung. Der ganzheitliche Therapieansatz Komm!ASS® setzt genau bei diesen Schwierigkeiten autistischer Kinder und Erwachsener an.

Gemeinsame Aufmerksamkeit und lebendige Interaktion sind das primäre Ziel dieser Methode. Dazu werden spezifische Reize gesetzt, die im Wechsel verschiedene Sinneskanäle ansprechen sollen.  Damit dies gelingt, müssen die Angebote und regulierenden Hilfestellungen individuell auf die veränderte Wahrnehmung der Betroffenen abgestimmt werden.

Nicht die Vermeidung von Reizen, sondern das gezielte Hinführen zu verschiedenen Reizen und ein ständiger Modalitätenwechsel (zwischen den verschieden Sinnes-Systemen) verbessern die Wahrnehmung der Kinder und stellen somit eine optimale Grundlage für die Sprachanbahnung dar. Über den ständigen Austausch und die Freude an einer lebendigen Kommunikation kann sich Sprache entwickeln.

Gemeinsames Gebärden und beständige Hilfen zur Selbstregulation helfen Betroffenen, bedeutungstragende Reize fokussieren zu können, um in der Umwelt und mit dem Kommunikationspartner zu agieren.

Dies ist Grundlage für Kommunikation und Sprachanbahnung.

Auf anderen Ebenen des Autismus-Spektrums wirkt Komm!ASS ebenso unterstützend:

Durch eine verbesserte Eigen- und Fremdwahrnehmung wird das Selbstbewusstsein gestärkt und Betroffene lernen Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, aber auch einmal zurückzustellen und abzuwarten.

Sich „führen lassen“, um Imitation und Lernen zu ermöglichen, hilft hier die weitere Entwicklung positiv anzustoßen. Die Stressbelastung sinkt, die Flexibilität im Alltag erhöht sich und selbst- und fremdverletzendes Verhalten wird weniger.
Komm!ASS® eignet sich nicht nur für Kinder mit Autismus. Es zeigen sich auch positive Entwicklungen bei Kindern mit anderen Wahrnehmungs- und Entwicklungsstörungen (ADHS, FAS, Down-Syndrom) und starken Interaktionsstörungen (z.B. Mutismus).

Dieses Poster wurde im April 2019 auf dem 26. DGKJP Kongress in Mannheim präsentiert und darf hier mit freundlicher Genehmigung von Fr. Cornelia Funke und Fr. Constanze Abshagen digital publiziert werden.