FAQ zu Therapien und Fördermaßnahmen

Therapien und Fördermaßnahmen im Überblick

FAQ zu Therapien und Fördermaßnahmen

Therapien und Fördermaßnahmen im Überblick

„Ich brauche Kraft dich dort zu unterstützen und fördern, wo es dir hilft dein Potenzial zu entfalte

Ich brauche Wärme um dich da zu lieben und respektieren, wo ich auf einen wichtigen und unveränderbaren Teil deiner  wunderbaren Persönlichkeit stoße und…

Ich brauche die Weisheit zwischen dem Einen und dem Anderen zu unterscheiden!“

frei nach Unbekannt

Therapeutische Interventionen und Fördermaßnahmen

 

Therapie? Bedeutet das Autismus ist heilbar?

Nein.

Autismus ist eine Variation der Reizverarbeitung die genetisch festgelegt ist und keine Krankheit die geheilt werden kann.

Diese andere Funktionsweise des Gehirnes geht mit vielen Besonderheiten einher, die teilweise als Entwicklungsstörung und -verzögerung, Schwierigkeiten in der Senso-Motorik, in der Kommunikation und beim Spracherwerb und vielen anderen Bereichen (siehe hier) sichtbar werden.

Therapeutische Interventionen und/oder Fördermaßnahmen können fast jedes vorhandene Defizit positiv beeinflussen und so zu einer Verbesserungen verschiedener Fähigkeiten und der Lebensqualität führen.

Der Markt an Interventionen ist mittlerweile sehr groß und gerade für Eltern, die sich erstmals mit diesem Thema beschäftigten auch sehr unübersichtlich.

Es ist wichtig zu wissen, dass keine seriöse und ethisch vertretbare Intervention darauf abzielt und verspricht Autismus heilen zu können und man Heilsversprechungen gegenüber sehr vorsichtig sein sollte!

Autismus kann man sich in diesem Kontext vorstellen wie ein anderes Betriebssystem – ganz egal welchen Programmierer man da dran lässt – ein bestehendes Betriebssystem kann nicht schadfrei in ein anderes umgewandelt werden. Viel besser ist es doch, zu lernen mit dem bestehenden Betriebssystem umgehen zu lernen und das Beste dabei herauszuholen.

So ist auch Autismus nicht wegtherapierbar und das ist gut so – denn neben vielen Schwierigkeiten, kennzeichnet Autismus auch eine Reihe an besonderen Stärken und Wesenszügen, die uns Allist*innen mit Demut erfüllen sollten!

Ziel einer Therapie ist also nicht die Heilung von Autismus, sondern die Unterstützung dabei, das eigene Potenzial bestmöglich zu entfalten.

Da unser Gehirn über ein großes Ausmaß an Neuroplastizität verfügt, können manche (gut unterstütze, geförderte und hochintelligente)  Autist*innen allerdings die erstaunliche Leistung vollbringen, die veränderte Reizverarbeitung zu kompensieren und schließlich auch erlernen die Wahrnehmung zu filtern, Emotionen und nonverbale Kommunikation bei anderen zu entschlüsseln etc. sodass von außen keine autistische Veränderung erkennbar ist und – was noch viel wichtiger ist – von innen ein hohes Maß an Wohlbefinden und Lebensqualität herrscht.

Welche Therapieform bzw. therapeutische Intervention ist die Beste bei Autismus?

Autismus ist viel zu komplex, als dass hier eine Methode für alle möglichen Herausforderung die absolute Nummer eins sein könnte.

Vorsicht vor allen, die ihre spezielle Intervention als das Non-Plus-Ultra verkaufen möchten, denn das gibt es schlichtweg nicht!

So individuell wie wir alle sind, sind auch Autist*innen und ihre jeweiligen Schwierigkeiten und Herausforderungen bei denen sie Unterstützung brauchen.

Aus diesem Grund braucht es nicht eine perfekte Therapie, sondern eine große Therapievielfalt, um alle Bereiche abzudecken.

Wenn wir nun die Frage umformulieren auf: Welche Therapie ist die Beste für mein Kind bzw. für mich, dann zeigt sich worauf es wirklich ankommt!

Effektive Therapien und Fördermaßnahmen sind individuell angelegt und beruhen auf folgenden Prinzipien:

1. Die Therapie / Fördermaßnahme berücksichtigt die individuelle Ausgangslage: also Alter, kognitive Fähigkeiten,   besondere Stärken, Schwächen, Einschränkungen, Fertigkeiten, Interessen, Motivations- und Lernprobleme, zusätzliche psychiatrische Störungen, etc.

2. Die Therapie / Fördermaßnahme ist flexibel und passt sich den relevanten, aktuellen Bedürnissen und dem tatsächlichen therapeutischen Bedarf an und zwar unabhängig von der zugrundeliegenden Methode.

3. Die Therapie / Fördermaßnahme lässt sich mit den Grundhaltungen, Werten und Ressourcen der Famillie vereinbaren. Für Eltern ist es wichtig, sich mit dem Ansatz wirklich identifizieren zu können, da es um die aktive Mitgestaltung über mehrere Jahre geht. Gibt es hier einen inneren Wertekonflikt, oder eine sehr starke Überforderung der vorhandenen Ressourcen, so kann die spezielle therapeutische Intervention oder Fördermaßnahme nur schwer von Erfolg gekrönt sein.

4. Die Therapie / Fördermaßnahme ist ‚autismusspezifisch‘, diese sind nachweislich wirksamer als unspezifische Ansätze.

5. Die Therapie / Fördermaßnahem bietet ein überschaubares, vorhersagbares Umfeld, in dem Autist*inenn sich sicher fühlen können.

6. Die Therapie bezieht die Auseinandersetzung mit dem ‚Anders-Sein‘ mit ein – auf eine wertschätzende, aufklärende und stärkende Art und Weise.

Zusammenfassend: Die beste Therapie / Fördermaßnahme für Autismus gibt es nicht – vielmehr gibt es das optimale, individuell angepasste Konzept – durchaus auch aus zwei oder mehreren Ansätzen kombiniert – für jede*n Autist*in.

Wovon hängt der Erfolg einer therapeutischen Intervention ab?

Der Erfolg hängt von mehreren Faktoren ab.

  1. Frühe Förderung. Es gibt zwar teilweise sehr emotional geführte Kontroversen über manchen Methoden – doch Einigkeit herrscht beim Grundsatz: Je früher desto besser! Das spiegelt sich auch in der immer besser feststellbaren Früherkennung wieder. Die frühkindlichen Entwicklungsphasen sind noch stark beeinflussbar. Folgestörungen können verhindert werden.
  2. Frühe Förderung. Ja, es kann einfach nicht genug betont werden. Wenn Dir Dein Gefühl sagt, dass sich Dein Kind auffällig entwickelt, dann solltest Du Dich nicht von gutgemeinten Ratschlägen á la „Ach, das wächst sich schon noch aus..“ usw. hinhalten lassen. Auch Ärzte täuschen sich – hol dir eine zweite Meinung!
  3. Frühe Förderung – das hilft auch Dir, denn sobald Dein Kind eine Diagnose hat und die therapeutischen Interventionen u/o Förderprogramme starten können, bekommst auch Du die Chance auf Unterstützung, und wertvolles Wissen zur Selbsthilfe um gestärkt und aufrecht den Weg mit deinem Kind gehen zu können.
  4. Die Methode ist flexibel und orientiert sich in der praktischen Durchführungen an den aktuellen Bedürfnissen deines Kindes (Stärken, Schwächen, Interessen, etc.)
  5. Die Methode passt auch zu euch als Familie, zu eurer Lebensart und zu eurer Familienphilosphie. Sie wird euch mehrere Jahre lang begleiten und darf kein Klotz am Bein sein, sondern soll eine Unterstützung sein, die die ganze Familie miteinander lebt und trägt. Dazu gehört auch der Aspekt der (zeitlichen und finanziellen Ressourcen). Eine ständige Überforderung auf diesen Ebenen steht einer erfolgreichen therapeutischen Intervention ebenso im Weg, wie eine therapeutische Unterversorgung.

Zusammenfassend gesagt: Früh starten, auf den individuellen Zugang achten und den eigenen Werte und Ressourcen treu bleiben.

Wann ist der Beste Zeitpunkt um mit einer therapeutischen Intervention zu starten?

So früh wie möglich! Wissenschaft und führende Expert*innen sind sich einig, dass eine frühe Intervention von großer Bedeutung ist. Die  frühkindlichen Entwicklungsphasen sind noch stark beeinflussbar, dadurch können viele Folgestörungen verhindert werden und der Verlauf der Entwicklung kann positiv beeinflusst werden.

In diesem Sinne ist natürlich auch eine möglichst frühe Diagnostik anzustreben. Während man vor wenigen Jahren noch 3 Jahre als untere Grenze für Diagnosenstellungen nannte, so gilt mittlerweile: Eine Früherkennung autistischer Störungen ist ab dem zweiten Lebensjahr möglich.

Für Eltern, die die Entwicklung ihrer Kinder auffällig finden, bedeutet das, dass sie sich frühestmöglich an Zentren für Entwicklungsstörung melden. Kommt von dort die Reaktion, dass man vor dem dritten Geburtstag ohnehin nichts feststellen könnte, dann ist dieses Zentrum offensichtlich noch nicht up-to-date!

Ich rate Dir dann erstens, den Verantwortlichen in diesem Zentrum mitzuteilen, dass diese Ansicht nicht mehr gültig ist und zweitens, dir ein anderes Zentrum oder ein*e niedergelasse*n Psycholog*in zur Diagnostik zu suchen.

Außerdem ist es sinnvoll schon bei der allerersten Unsicherheit bei einem Zentrum für Diagnostik einen Termin zu vereinbaren – in der Regel muss man nämlich leider ohnehin mit monatelangen Wartezeiten rechnen. Sollte sich bis dahin wirklich jede Unsicherheit in Luft auflösen und die Auffälligkeit doch noch ausgewachsen haben – dann kann der Termin (mind. zwei Wochen davor!) immer noch abgesagt werden – so dass er noch an andere Familien auf der Warteliste weitervergeben werden kann.

Manchmal steht der frühen Diagnose auch im Weg, dass die Auffälligkeit und Andersartigkeit sich einfach erst zu einem viel späteren Zeitpunkt zeigt, ja manchmal sogar erst im Erwachsenenalter erkannt wird.

Keine Sorge – dann ist der Zug für therapeutische Interventionen und Fördermaßnahmen nicht abgefahren. Sogar im Erwachsenenalter sind noch spezifische Therapiemaßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität möglich.

Was sind die konkreten Ziele therapeutischer Interventionen und Fördermaßnahmen?

Ziele therapeutischer Interventionen und Fördermaßnahmen werden immer im Vorhinein festgelegt und ganz individuell an die Voraussetzung des betroffenen Kindes oder Erwachsenen angepasst.

Generell lassen sich die Ziele in vier Kategorien einteilen:

  • Steigerung erwünschter Fähigkeiten und Verhaltensweisen
    • Soziale Fähigkeiten
    • Kommunikativer Fähigkeiten
    • Imaginatives Verhalten etc.
  • Reduktion problematischer Verhaltensweisen
    • Selbstverletzung
    • Aggression gegenüber Anderen
  • Behandlung von Co-Diagnosen
    • AD(H)S
    • Epilepsie
    • Störungen des Verdauungssystems
  • Verbesserung der Lebensqualität
Wird bei theraeutischen Intervention oder Förderprogrammen ausschließlich mit den betroffenen Kindern u/o Erwachsenen gearbeitet?

Nein, um autistischen Menschen eine vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen braucht es mehr als nur therapeutische Interventionen für Autist*innen!

Natürlich wird zum größten Teil mit den Betroffenen gearbeitet, aber wichtige Interventionen sind auch noch:

  • den Eltern/Betreuern
    • Erlernen von Elternprogrammen, um die therapeutische Arbeit mit dem Kind daheim im vertrauten Umfeld fortzusetzen und vertiefen.
    • Programme und Wissen zur Selbstfürsorge, Krisenmanagement und anderen Strategien für die Alltagsbewältigung
    • Vorträge
  • dem Kindergarten/den Lehrkräften
    • Seminare für Pädagoginnen zur Wissensvermittlung über Autismus, Strategien und optimalen Rahmenbedingungen für ein harmonisches, bereicherndes Miteinander
    • Workshops für Schulklassen, in denen Schüler*innen Wissen über Autismus und Strategien für einen wertschätzenden Umgang miteinander vermittelt wird.
  • den Vorgesetzten/den Kollegen
    • Fortbildungsveranstaltungen für Firmen und Betriebe, in denen Wissens über Autismus und Strategien für einen wertschätzenden Umgang vermittelt werden.
  • Personen die im Gesundheitswesen tätig sind und Autist*innen ärztlich oder pflegerisch betreuen.
Wenn mehrere, verschiedene therapeutische Interventionen notwendig sind - in welcher Reihenfolge sollen wir dann vorgehen?

Wenn mehrere Bereiche therapeutischer Interventionen oder Fördermaßnahmen brauchen könnten, dann ist es sinnvoll Rangfolgen aufzustellen – und zwar nach mehreren Kategorien:

 

  •  Wichtigkeit
    • Welches Schwierigkeit beeinträchtigt das Leben derzeit am Stärksten?
    • Welche Herausforderung behindert die Entwicklung langfristig am Meisten?
    • Gegenprobe: Was ist am unwichtigsten? 
  • Erkennbarkeit einer Verbesserung
    • Wo würden wird am sichersten eine Verbesserung erkennen können?
    • Wobei lässt sich am leichtesten ein positive Veränderung dokumentieren?
    • Gegenprobe: Welche Veränderung wäre am schwersten zu erfassen oder welche Merkmale sind eher unsicher?
  • Umsetzbarkeit der Maßnahmen
    • Welche Wege zur Verbesserung lassen sich am leichtesten und sichersten umsetzen?
    • Welche Maßnahmen könnten am schnellsten, oder mit dem wenigstem Aufwand umgesetzt werden?
    • Gegenprobe: Welche Maßnahmen sind nur sehr schwer oder gar nicht durchführbar?
  • Erreichbarkeit der Ziele
    • Welches Ziel ist wahrscheinlich leicht zu erreichen?
    • Welches Ziel ist eher schwer erreichbar?
    • Welches Ziel muss als vermutlich ’nicht erreichbar‘ betrachtet werden?

 

 

Gibt es eine Prognose, wie gut eine Therapie / Fördermaßnahme wirken kann?

Es gibt zwar für einige therapeutische Interventionen und Fördermaßnahmen viel Forschungs- und Erfahrungswissen, aber eine individuelle Prognose kann – seriöserweise –  im Vorhinein nicht erstellt werden.

Neben der Zielsetzung und dem Finden der am Besten geeigneten, förderlichen Interventionen hängt der Erfolg noch von vielen anderen Faktoren ab, nicht nur von der Wahl der Richtigen Therapie.

Eine große Rolle bei der individuellen Prognose spielen:

  • die Schwere der Symptomatik
  • weitere Co-Diagnosen
  • die Betreuungsmöglichkeiten  
  • das familiären Umfeld 
  • die Qualität und Quantität der therapeutischen Maßnahmen

Es gibt einige Langzeitstudien, die autistische Teilnehmer*innen über einige Jahre beobachten und die Biographien auswerten. So lässt sich zwar statistisch ein gewisses Entwicklungsprofil erkennen, aber aus oben genannten Gründen ist es nicht auf andere übertragbar.

Für Eltern bedeutet dies zusammengefasst: Wo unsere Kinder in zehn, zwanzig Jahren stehen werden, lässt sich nicht vorhersagen.

Mit großer Gewissheit aber gilt das Prinzip:

Je früher und optimaler, gezielt und mit Bedacht therapeutische Interventionen und Fördermaßnahmen gesetzt werden, umso größer ist die Chance für das Kind sein eigenes Potenzial zu entwickeln und ein möglichst großes Maß an Selbständigkeit und Lebensqualität zu erreichen!

Was müssen wir wissen oder tun, bevor wir uns für eine bestimmte therapeutische Intervention entscheiden?

Der Grundsatz könnte etwa so lauten.

Probleme sortieren – Ziele benennen – Ideen sammeln – Umsetzbarkeit bewerten 

Probleme sortieren:

  • Was alles macht Dir in der Entwicklung Deines Kindes Sorgen?
  • Wo siehst Du eindeutige Defizite bei den Fähigkeiten und Möglichkeiten Deines Kindes?
  • Welches Verhalten Deines Kindes scheint dir sonderbar, gibt Dir Rätsel auf, oder erschwert die Alltagsbewältigung ungemein?
  • Welche anderen Probleme oder Schwierigkeiten sind Dir im Zusammenhang mit Deinem Kind aufgefallen?

Ziele benennen:

  • Stell Dir vor, das Leben ist ein Wunschkonzert und du musst dir die Veränderung nur wünschen – einzige Voraussetzung: du formulierst deine Wünsch sehr genau. Welche Wünsche hast Du für Dein Kind, Deine Familie und Dich?

Ideen sammeln:

  • Dabei sollte Dir idealerweise ein Therapie- oder Kompetenzzentrum zur Seite stehen. Weil das Leben aber nicht immer den idealen Weg nimmt, die Warteliste gerade zu lange ist, Du der Kompetenz nicht ganz traust und lieber auf Augenhöhe diskutieren möchtest, bekommst du hier einen Überblick über die reiche Landschaft der therapeutischen Interventionen und Förderprogramme. Das kann natürlich weder einen Ärzt*innenbesuch ersetzen, noch eine Psychologische Abklärung, darf aber auf jeden Fall ergänzende gelesen, verstanden, hinterfragt und zur Ideenfindung genutzt werden, wenn es um den weiteren Lebensweg des eigenen Kindes geht.

Umsetzbarkeit bewerten

  • Sind Werte und Familienphilosophie sind vereinbar mit dem Ansatz?
  • Haben wir ausreichend personelle Möglichkeiten?
  • Sind für uns die räumliche Rahmenbedingungen vereinbar?
  • Sind für uns die zeitliche Rahmenbedingungen vereinbar?
  • Sind die notwendigen finanzielle Ressourcen vorhanden?
  • Ist der Gesamtablauf für uns organistorisch umsetzbar?
Lernt mein Kind durch therapeutische Interventionen "normal" zu sein?

Nein.

Dein Kind ist schon die normale Version von sich selbst.

„Normal“ im Sinne von allistisch, wird Dein Kind nicht werden. Das ist auch gar nicht das Ziel von therapeutischen Interventionen und Fördermaßnahmen.

Vielmehr geht es darum, dass sich Dein Kind in der allistischen Welt gut zurechtfindet und darin ein möglichst hohes Maß an Souveränität und Lebensqualität erreichen kann und sein innewohnendes Potenzial ganz entfalten kann.

Da sich autistische Kinder und auch Erwachsene nicht vollends an diese Welt anpassen können, muss sich natürlich das Umfeld an deren Stärken und Schwächen anpassen. Daran führt kein Weg vorbei.

Therapeutische Interventionen zielen hier auch darauf ab, umgekehrt eine Anpassung des autistischen Kindes an die ‚allistische‘ Welt zu erreichen – so dass wir uns sozusagen auf dem halben Weg begegnen können. Dieses Fernziel ist aber nicht für alle und für viele nur in manchen Belangen erreichbar.

Generell ist es aber immer eine Gratwanderung welche Seite sich wie weit anpasst und muss auch immer wieder neu evaluiert und überdacht werden. Meinem autistischen Kind in allen Belangen immer und ausschließlich entgegen zu kommen hilft ihm langfristig nämlich auch nicht weiter.

Ich bin also dazu angehalten in vielen Dingen auch  ’normale Ansprüche‘ an autistische Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu stellen – denn ohne Anforderungen gibt es keine Fortschritte.

Umgekehrt muss ich immer wissen und berücksichtigen, dass unhinterfragte Normalisierungsbestrebungen sehr schädlich für die psychische Entwicklung sind.

Schon bei der Erziehung allistischer Kinder sind Eltern sehr dabei herausgefordert ihre Kinder weder zu verwöhnen und noch massiv zu überfordern – viel viel mehr gilt das noch für die Begleitung autistischer Kinder.

Eine intensive Zusammenarbeit mit Expert*innen die die Entwicklung des Kindes über schon über einen langen Zeitraum verfolgen ist hier hilfreich um immer wieder mal neue Anforderungen zu etablieren oder gegebenenfalls eine bestehende Überforderung zu entschärfen. 

Was sind die wichtigsten Prinzipien für therapeutische und förderliche Interventionen?

Allgemeine Prinzipien der Förderung und Behandlung, übergreifend über Methoden und Ansätze.

 

Beginn: So früh als möglich (ja, man kann’s nicht oft genug erwähnen). Idealerweise ab Diagnosenstellung, sofern auch gleich Plätze frei sind, leider gibt es auch da meist Wartelisten.

Dauer: Hier muss man in langfristigen Perspektiven denken. In der Regel sind mehrere Jahre therapeutischer Begleitung empfehlenswert.

Vorgehen: Zunächst orientiert man sich an den Symptomen und erstellt eine Rangordnung der Dringlichkeit. Gleichzeitig sollte man aber auch das ganzheitlich betrachten und Priorisierungen vornehmen. Zur multiaxialen Förderung wirken idealerweise mehrere Methoden zusammen, die jeweils ihre ganz spezifischen Bereiche abdecken und auf die Voraussetzungen der Betroffenen abgestimmt sind.

Zusammenarbeit und Rollenverständnis: Die Familie wird als gleichberechtigter Partner miteinbezogen. Beim Überschneiden verschiedener Therapieansätze oder Fördermaßnahmen ist die Zusammenarbeit zwischen Therapeut*innen, Ärzt*innen,  Pädagog*innen, Eltern, und anderen am Geschehen aktiv beteiligten Personen von großem Vorteil und sollte unbedingt angestrebt werden.

Quantität: Es ist eine engmaschige Förderung anzustreben. Ideal wäre eine Frequenz von 2-3 mal pro Woche. Das ist organisatorisch und finanziell für viele Familien nicht umsetzbar. Hier kann die Therapie mit Elternprogrammen kombiniert werden, in denen die Eltern in die Therapeut*innenrolle schlüpfen und daheim Übungsstunden durchführen. Für Eltern ist dies natürlich auch sehr anstrengend, aber oft leichter umsetzbar als viele Termine außer Haus.

Die Idee alle „Baustellen“ zeitgleich anzugehen und möglichst viele verschieden Therapien parallel anzugehen ist nicht sehr sinnvoll. Hier entsteht schnell Überforderung – sowohl des Kindes als auch des restlichen Systems – was schlimmstenfalls zu Rückzug und Regression, oder einer ‚Totalblockade‘ führen kann. In diesem Fall sind dringend Pausen anzuraten.

Pausen gehören zu den Prinzipien dazu. Oft wird das in den Therapien erlernte erst in den Pausen umsetzbar und etabliert. Viele Eltern beobachten gerade in Therapiepausen, große Fortschritte. Allerdings muss es dann auch wieder weitergehen – denn eine durchgehende Pause würde letztlich Stagnation riskieren.

Unser Kind braucht verschiedene therapeutische Interventionen u/o Fördermaßnahmen - sollten wir sie nicht am Besten alle parallel abarbeiten?

Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass Du Dein Kind bestmöglich fördern möchtest und alle erforderlichen therapeutischen Interventionen und Fördermaßnahmen starten möchtest.

Gerade, wenn aber mehrere Themen offen sind und einige grundlegend verschiedene Therapie-Methoden empfohlen sind, ist es nicht unbedingt zu empfehlen alle offenen „Baustellen“ gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Ein Overkill an Therapien und Fördermaßnahmen kann direkt in die Überforderung führen und Rückschritte und sogar totale Blockaden auslösen.

Hier ist es um so wichtiger ein durchdachtes engmaschiges Konzept konsequent zu verfolgen, das von Expert*innen mit Bedacht auf Förderung ohne Überforderung erstellt wurde.

Auch Therapiepausen sind ein wichtiger Bestandteil eines Gesamtplanes – denn oft gelingt es autistischen Kindern erst in den Pausen, das Gelernte umzusetzen und neue Fähigkeiten zu entwickeln.

Idealerweise unterstützt dich ein kompetentes Team an Therapeut*innen, Psycholog*innen und Arzt*innen um die Reihenfolge der Interventionen festzulegen. Hast Du ein solches Team, oder auch einen vertrauenswürdigen Experten nicht an der Hand, kann dich unten genannte Abstimmung dabei unterstützen auch selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und zu entscheiden, wohin euch der therapeutische Weg Deines Kindes führen wird.

Natürlich kann diese Auflistung kompetente Beratung nicht ersetzen, aber durchaus sinnvoll ergänzen darf sie allemal.

Um eine sinnvolle Reihenfolge festzulegen gibt es eine sinnvolle Rangfolge – mehr dazu bei der nächsten Frage!

Wie lange wird mein Kind therapeutische Interventionen brauchen?

Die Diagnose Autismus gilt ein Leben lang, das bedeutet aber nicht, dass auch ein Leben lang ein therapeutische Begleitung und Fördermaßnahmen notwendig sind. Die Lebensqualität der Betroffenen und auch derer Familien soll verbessert – denn in der Regel hat Autismus einen Einfluss auf die Lebensqualität aller Familienmitglieder.

Je nach individuellen Herausforderungen und Schwierigkeiten sollten aber mehrere Jahre therapeutischer Begleitung, wie etwa Ergo- oder Musiktherapie etc.  und spezifischer Fördermaßnahmen, wie etwa sozialen Kompetenztrainigs o.ä. eingerechnet werden. Es braucht sehr langfristig unterstützende Maßnahmen, die auch das Erleben der Familie mitberücksichtigen und darauf abgestimmt werden.

Der Bedarf verschiebt sich im Lauf der individuellen Entwicklung möglicherweise, ebbt zwischendurch sogar ab und kommt zeigt sich dann vielleicht in anderen Bereichen.

Beispielsweise braucht ein kleines Kind intensive Unterstützung beim Spracherwerb und der feinmotorischen Koordination, später – erst wenn die Sozio-emotionale Entwicklung das Konzept der Freundschaft zuwendet und die eigenen Defizite im Umgang mit anderen Kindern bewusst werden, kann ein Sozialkompetenztraining in den Vordergrund treten. Leider kommen im Lauf der Entwicklung bei vielen Autist*innen auch einige sehr ungünstige Erfahrungen dazu und das eigene Anders-Sein wird nicht unbedingt positiv wahrgenommen. So verschiebt sich der therapeutische Bedarf dann weiter in Richtung Coping-Strategien entwickeln oder der psychotherapeutischen Behandlung depressiver Symptome.

Dies ist nur ein Beispiel und trifft keineswegs auf jedes autistische Kind in dieser Form zu, zeigt aber auf, wie wichtig es ist, eine Begleitung die ganzheitlich die Lebenssituation betrachtet und Prioritäten im Bezug auf das momentane Erleben setzt!

Therapie? Bedeutet das Autismus ist heilbar?

Nein.

Autismus ist eine Variation der Reizverarbeitung die genetisch festgelegt ist und keine Krankheit die geheilt werden kann.

Diese andere Funktionsweise des Gehirnes geht mit vielen Besonderheiten einher, die teilweise als Entwicklungsstörung und -verzögerung, Schwierigkeiten in der Senso-Motorik, in der Kommunikation und beim Spracherwerb und vielen anderen Bereichen (siehe hier) sichtbar werden.

Therapeutische Interventionen und/oder Fördermaßnahmen können fast jedes vorhandene Defizit positiv beeinflussen und so zu einer Verbesserungen verschiedener Fähigkeiten und der Lebensqualität führen.

Der Markt an Interventionen ist mittlerweile sehr groß und gerade für Eltern, die sich erstmals mit diesem Thema beschäftigten auch sehr unübersichtlich.

Es ist wichtig zu wissen, dass keine seriöse und ethisch vertretbare Intervention darauf abzielt und verspricht Autismus heilen zu können und man Heilsversprechungen gegenüber sehr vorsichtig sein sollte!

Autismus kann man sich in diesem Kontext vorstellen wie ein anderes Betriebssystem – ganz egal welchen Programmierer man da dran lässt – ein bestehendes Betriebssystem kann nicht schadfrei in ein anderes umgewandelt werden. Viel besser ist es doch, zu lernen mit dem bestehenden Betriebssystem umgehen zu lernen und das Beste dabei herauszuholen.

So ist auch Autismus nicht wegtherapierbar und das ist gut so – denn neben vielen Schwierigkeiten, kennzeichnet Autismus auch eine Reihe an besonderen Stärken und Wesenszügen, die uns Allist*innen mit Demut erfüllen sollten!

Ziel einer Therapie ist also nicht die Heilung von Autismus, sondern die Unterstützung dabei, das eigene Potenzial bestmöglich zu entfalten.

Da unser Gehirn über ein großes Ausmaß an Neuroplastizität verfügt, können manche (gut unterstütze, geförderte und hochintelligente)  Autist*innen allerdings die erstaunliche Leistung vollbringen, die veränderte Reizverarbeitung zu kompensieren und schließlich auch erlernen die Wahrnehmung zu filtern, Emotionen und nonverbale Kommunikation bei anderen zu entschlüsseln etc. sodass von außen keine autistische Veränderung erkennbar ist und – was noch viel wichtiger ist – von innen ein hohes Maß an Wohlbefinden und Lebensqualität herrscht.

Welche Therapieform bzw. therapeutische Intervention ist die Beste bei Autismus?

Autismus ist viel zu komplex, als dass hier eine Methode für alle möglichen Herausforderung die absolute Nummer eins sein könnte.

Vorsicht vor allen, die ihre spezielle Intervention als das Non-Plus-Ultra verkaufen möchten, denn das gibt es schlichtweg nicht!

So individuell wie wir alle sind, sind auch Autist*innen und ihre jeweiligen Schwierigkeiten und Herausforderungen bei denen sie Unterstützung brauchen.

Aus diesem Grund braucht es nicht eine perfekte Therapie, sondern eine große Therapievielfalt, um alle Bereiche abzudecken.

Wenn wir nun die Frage umformulieren auf: Welche Therapie ist die Beste für mein Kind bzw. für mich, dann zeigt sich worauf es wirklich ankommt!

Effektive Therapien und Fördermaßnahmen sind individuell angelegt und beruhen auf folgenden Prinzipien:

1. Die Therapie / Fördermaßnahme berücksichtigt die individuelle Ausgangslage: also Alter, kognitive Fähigkeiten,   besondere Stärken, Schwächen, Einschränkungen, Fertigkeiten, Interessen, Motivations- und Lernprobleme, zusätzliche psychiatrische Störungen, etc.

2. Die Therapie / Fördermaßnahme ist flexibel und passt sich den relevanten, aktuellen Bedürnissen und dem tatsächlichen therapeutischen Bedarf an und zwar unabhängig von der zugrundeliegenden Methode.

3. Die Therapie / Fördermaßnahme lässt sich mit den Grundhaltungen, Werten und Ressourcen der Famillie vereinbaren. Für Eltern ist es wichtig, sich mit dem Ansatz wirklich identifizieren zu können, da es um die aktive Mitgestaltung über mehrere Jahre geht. Gibt es hier einen inneren Wertekonflikt, oder eine sehr starke Überforderung der vorhandenen Ressourcen, so kann die spezielle therapeutische Intervention oder Fördermaßnahme nur schwer von Erfolg gekrönt sein.

4. Die Therapie / Fördermaßnahme ist ‚autismusspezifisch‘, diese sind nachweislich wirksamer als unspezifische Ansätze.

5. Die Therapie / Fördermaßnahem bietet ein überschaubares, vorhersagbares Umfeld, in dem Autist*inenn sich sicher fühlen können.

6. Die Therapie bezieht die Auseinandersetzung mit dem ‚Anders-Sein‘ mit ein – auf eine wertschätzende, aufklärende und stärkende Art und Weise.

Zusammenfassend: Die beste Therapie / Fördermaßnahme für Autismus gibt es nicht – vielmehr gibt es das optimale, individuell angepasste Konzept – durchaus auch aus zwei oder mehreren Ansätzen kombiniert – für jede*n Autist*in.

Gibt es eine Prognose, wie gut eine Therapie / Fördermaßnahme wirken kann?

Es gibt zwar für einige therapeutische Interventionen und Fördermaßnahmen viel Forschungs- und Erfahrungswissen, aber eine individuelle Prognose kann – seriöserweise –  im Vorhinein nicht erstellt werden.

Neben der Zielsetzung und dem Finden der am Besten geeigneten, förderlichen Interventionen hängt der Erfolg noch von vielen anderen Faktoren ab, nicht nur von der Wahl der Richtigen Therapie.

Eine große Rolle bei der individuellen Prognose spielen:

  • die Schwere der Symptomatik
  • weitere Co-Diagnosen
  • die Betreuungsmöglichkeiten  
  • das familiären Umfeld 
  • die Qualität und Quantität der therapeutischen Maßnahmen

Es gibt einige Langzeitstudien, die autistische Teilnehmer*innen über einige Jahre beobachten und die Biographien auswerten. So lässt sich zwar statistisch ein gewisses Entwicklungsprofil erkennen, aber aus oben genannten Gründen ist es nicht auf andere übertragbar.

Für Eltern bedeutet dies zusammengefasst: Wo unsere Kinder in zehn, zwanzig Jahren stehen werden, lässt sich nicht vorhersagen.

Mit großer Gewissheit aber gilt das Prinzip:

Je früher und optimaler, gezielt und mit Bedacht therapeutische Interventionen und Fördermaßnahmen gesetzt werden, umso größer ist die Chance für das Kind sein eigenes Potenzial zu entwickeln und ein möglichst großes Maß an Selbständigkeit und Lebensqualität zu erreichen!

Wovon hängt der Erfolg einer therapeutischen Intervention ab?

Der Erfolg hängt von mehreren Faktoren ab.

  1. Frühe Förderung. Es gibt zwar teilweise sehr emotional geführte Kontroversen über manchen Methoden – doch Einigkeit herrscht beim Grundsatz: Je früher desto besser! Das spiegelt sich auch in der immer besser feststellbaren Früherkennung wieder. Die frühkindlichen Entwicklungsphasen sind noch stark beeinflussbar. Folgestörungen können verhindert werden.
  2. Frühe Förderung. Ja, es kann einfach nicht genug betont werden. Wenn Dir Dein Gefühl sagt, dass sich Dein Kind auffällig entwickelt, dann solltest Du Dich nicht von gutgemeinten Ratschlägen á la „Ach, das wächst sich schon noch aus..“ usw. hinhalten lassen. Auch Ärzte täuschen sich – hol dir eine zweite Meinung!
  3. Frühe Förderung – das hilft auch Dir, denn sobald Dein Kind eine Diagnose hat und die therapeutischen Interventionen u/o Förderprogramme starten können, bekommst auch Du die Chance auf Unterstützung, und wertvolles Wissen zur Selbsthilfe um gestärkt und aufrecht den Weg mit deinem Kind gehen zu können.
  4. Die Methode ist flexibel und orientiert sich in der praktischen Durchführungen an den aktuellen Bedürfnissen deines Kindes (Stärken, Schwächen, Interessen, etc.)
  5. Die Methode passt auch zu euch als Familie, zu eurer Lebensart und zu eurer Familienphilosphie. Sie wird euch mehrere Jahre lang begleiten und darf kein Klotz am Bein sein, sondern soll eine Unterstützung sein, die die ganze Familie miteinander lebt und trägt. Dazu gehört auch der Aspekt der (zeitlichen und finanziellen Ressourcen). Eine ständige Überforderung auf diesen Ebenen steht einer erfolgreichen therapeutischen Intervention ebenso im Weg, wie eine therapeutische Unterversorgung.

Zusammenfassend gesagt: Früh starten, auf den individuellen Zugang achten und den eigenen Werte und Ressourcen treu bleiben.

Was müssen wir wissen oder tun, bevor wir uns für eine bestimmte therapeutische Intervention entscheiden?

Der Grundsatz könnte etwa so lauten.

Probleme sortieren – Ziele benennen – Ideen sammeln – Umsetzbarkeit bewerten 

Probleme sortieren:

  • Was alles macht Dir in der Entwicklung Deines Kindes Sorgen?
  • Wo siehst Du eindeutige Defizite bei den Fähigkeiten und Möglichkeiten Deines Kindes?
  • Welches Verhalten Deines Kindes scheint dir sonderbar, gibt Dir Rätsel auf, oder erschwert die Alltagsbewältigung ungemein?
  • Welche anderen Probleme oder Schwierigkeiten sind Dir im Zusammenhang mit Deinem Kind aufgefallen?

Ziele benennen:

  • Stell Dir vor, das Leben ist ein Wunschkonzert und du musst dir die Veränderung nur wünschen – einzige Voraussetzung: du formulierst deine Wünsch sehr genau. Welche Wünsche hast Du für Dein Kind, Deine Familie und Dich?

Ideen sammeln:

  • Dabei sollte Dir idealerweise ein Therapie- oder Kompetenzzentrum zur Seite stehen. Weil das Leben aber nicht immer den idealen Weg nimmt, die Warteliste gerade zu lange ist, Du der Kompetenz nicht ganz traust und lieber auf Augenhöhe diskutieren möchtest, bekommst du hier einen Überblick über die reiche Landschaft der therapeutischen Interventionen und Förderprogramme. Das kann natürlich weder einen Ärzt*innenbesuch ersetzen, noch eine Psychologische Abklärung, darf aber auf jeden Fall ergänzende gelesen, verstanden, hinterfragt und zur Ideenfindung genutzt werden, wenn es um den weiteren Lebensweg des eigenen Kindes geht.

Umsetzbarkeit bewerten

  • Sind Werte und Familienphilosophie sind vereinbar mit dem Ansatz?
  • Haben wir ausreichend personelle Möglichkeiten?
  • Sind für uns die räumliche Rahmenbedingungen vereinbar?
  • Sind für uns die zeitliche Rahmenbedingungen vereinbar?
  • Sind die notwendigen finanzielle Ressourcen vorhanden?
  • Ist der Gesamtablauf für uns organistorisch umsetzbar?
Wann ist der Beste Zeitpunkt um mit einer therapeutischen Intervention zu starten?

So früh wie möglich! Wissenschaft und führende Expert*innen sind sich einig, dass eine frühe Intervention von großer Bedeutung ist. Die  frühkindlichen Entwicklungsphasen sind noch stark beeinflussbar, dadurch können viele Folgestörungen verhindert werden und der Verlauf der Entwicklung kann positiv beeinflusst werden.

In diesem Sinne ist natürlich auch eine möglichst frühe Diagnostik anzustreben. Während man vor wenigen Jahren noch 3 Jahre als untere Grenze für Diagnosenstellungen nannte, so gilt mittlerweile: Eine Früherkennung autistischer Störungen ist ab dem zweiten Lebensjahr möglich.

Für Eltern, die die Entwicklung ihrer Kinder auffällig finden, bedeutet das, dass sie sich frühestmöglich an Zentren für Entwicklungsstörung melden. Kommt von dort die Reaktion, dass man vor dem dritten Geburtstag ohnehin nichts feststellen könnte, dann ist dieses Zentrum offensichtlich noch nicht up-to-date!

Ich rate Dir dann erstens, den Verantwortlichen in diesem Zentrum mitzuteilen, dass diese Ansicht nicht mehr gültig ist und zweitens, dir ein anderes Zentrum oder ein*e niedergelasse*n Psycholog*in zur Diagnostik zu suchen.

Außerdem ist es sinnvoll schon bei der allerersten Unsicherheit bei einem Zentrum für Diagnostik einen Termin zu vereinbaren – in der Regel muss man nämlich leider ohnehin mit monatelangen Wartezeiten rechnen. Sollte sich bis dahin wirklich jede Unsicherheit in Luft auflösen und die Auffälligkeit doch noch ausgewachsen haben – dann kann der Termin (mind. zwei Wochen davor!) immer noch abgesagt werden – so dass er noch an andere Familien auf der Warteliste weitervergeben werden kann.

Manchmal steht der frühen Diagnose auch im Weg, dass die Auffälligkeit und Andersartigkeit sich einfach erst zu einem viel späteren Zeitpunkt zeigt, ja manchmal sogar erst im Erwachsenenalter erkannt wird.

Keine Sorge – dann ist der Zug für therapeutische Interventionen und Fördermaßnahmen nicht abgefahren. Sogar im Erwachsenenalter sind noch spezifische Therapiemaßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität möglich.

Lernt mein Kind durch therapeutische Interventionen "normal" zu sein?

Nein.

Dein Kind ist schon die normale Version von sich selbst.

„Normal“ im Sinne von allistisch, wird Dein Kind nicht werden. Das ist auch gar nicht das Ziel von therapeutischen Interventionen und Fördermaßnahmen.

Vielmehr geht es darum, dass sich Dein Kind in der allistischen Welt gut zurechtfindet und darin ein möglichst hohes Maß an Souveränität und Lebensqualität erreichen kann und sein innewohnendes Potenzial ganz entfalten kann.

Da sich autistische Kinder und auch Erwachsene nicht vollends an diese Welt anpassen können, muss sich natürlich das Umfeld an deren Stärken und Schwächen anpassen. Daran führt kein Weg vorbei.

Therapeutische Interventionen zielen hier auch darauf ab, umgekehrt eine Anpassung des autistischen Kindes an die ‚allistische‘ Welt zu erreichen – so dass wir uns sozusagen auf dem halben Weg begegnen können. Dieses Fernziel ist aber nicht für alle und für viele nur in manchen Belangen erreichbar.

Generell ist es aber immer eine Gratwanderung welche Seite sich wie weit anpasst und muss auch immer wieder neu evaluiert und überdacht werden. Meinem autistischen Kind in allen Belangen immer und ausschließlich entgegen zu kommen hilft ihm langfristig nämlich auch nicht weiter.

Ich bin also dazu angehalten in vielen Dingen auch  ’normale Ansprüche‘ an autistische Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu stellen – denn ohne Anforderungen gibt es keine Fortschritte.

Umgekehrt muss ich immer wissen und berücksichtigen, dass unhinterfragte Normalisierungsbestrebungen sehr schädlich für die psychische Entwicklung sind.

Schon bei der Erziehung allistischer Kinder sind Eltern sehr dabei herausgefordert ihre Kinder weder zu verwöhnen und noch massiv zu überfordern – viel viel mehr gilt das noch für die Begleitung autistischer Kinder.

Eine intensive Zusammenarbeit mit Expert*innen die die Entwicklung des Kindes über schon über einen langen Zeitraum verfolgen ist hier hilfreich um immer wieder mal neue Anforderungen zu etablieren oder gegebenenfalls eine bestehende Überforderung zu entschärfen. 

Was sind die konkreten Ziele therapeutischer Interventionen und Fördermaßnahmen?

Ziele therapeutischer Interventionen und Fördermaßnahmen werden immer im Vorhinein festgelegt und ganz individuell an die Voraussetzung des betroffenen Kindes oder Erwachsenen angepasst.

Generell lassen sich die Ziele in vier Kategorien einteilen:

  • Steigerung erwünschter Fähigkeiten und Verhaltensweisen
    • Soziale Fähigkeiten
    • Kommunikativer Fähigkeiten
    • Imaginatives Verhalten etc.
  • Reduktion problematischer Verhaltensweisen
    • Selbstverletzung
    • Aggression gegenüber Anderen
  • Behandlung von Co-Diagnosen
    • AD(H)S
    • Epilepsie
    • Störungen des Verdauungssystems
  • Verbesserung der Lebensqualität
Was sind die wichtigsten Prinzipien für therapeutische und förderliche Interventionen?

Allgemeine Prinzipien der Förderung und Behandlung, übergreifend über Methoden und Ansätze.

 

Beginn: So früh als möglich (ja, man kann’s nicht oft genug erwähnen). Idealerweise ab Diagnosenstellung, sofern auch gleich Plätze frei sind, leider gibt es auch da meist Wartelisten.

Dauer: Hier muss man in langfristigen Perspektiven denken. In der Regel sind mehrere Jahre therapeutischer Begleitung empfehlenswert.

Vorgehen: Zunächst orientiert man sich an den Symptomen und erstellt eine Rangordnung der Dringlichkeit. Gleichzeitig sollte man aber auch das ganzheitlich betrachten und Priorisierungen vornehmen. Zur multiaxialen Förderung wirken idealerweise mehrere Methoden zusammen, die jeweils ihre ganz spezifischen Bereiche abdecken und auf die Voraussetzungen der Betroffenen abgestimmt sind.

Zusammenarbeit und Rollenverständnis: Die Familie wird als gleichberechtigter Partner miteinbezogen. Beim Überschneiden verschiedener Therapieansätze oder Fördermaßnahmen ist die Zusammenarbeit zwischen Therapeut*innen, Ärzt*innen,  Pädagog*innen, Eltern, und anderen am Geschehen aktiv beteiligten Personen von großem Vorteil und sollte unbedingt angestrebt werden.

Quantität: Es ist eine engmaschige Förderung anzustreben. Ideal wäre eine Frequenz von 2-3 mal pro Woche. Das ist organisatorisch und finanziell für viele Familien nicht umsetzbar. Hier kann die Therapie mit Elternprogrammen kombiniert werden, in denen die Eltern in die Therapeut*innenrolle schlüpfen und daheim Übungsstunden durchführen. Für Eltern ist dies natürlich auch sehr anstrengend, aber oft leichter umsetzbar als viele Termine außer Haus.

Die Idee alle „Baustellen“ zeitgleich anzugehen und möglichst viele verschieden Therapien parallel anzugehen ist nicht sehr sinnvoll. Hier entsteht schnell Überforderung – sowohl des Kindes als auch des restlichen Systems – was schlimmstenfalls zu Rückzug und Regression, oder einer ‚Totalblockade‘ führen kann. In diesem Fall sind dringend Pausen anzuraten.

Pausen gehören zu den Prinzipien dazu. Oft wird das in den Therapien erlernte erst in den Pausen umsetzbar und etabliert. Viele Eltern beobachten gerade in Therapiepausen, große Fortschritte. Allerdings muss es dann auch wieder weitergehen – denn eine durchgehende Pause würde letztlich Stagnation riskieren.

Wird bei theraeutischen Intervention oder Förderprogrammen ausschließlich mit den betroffenen Kindern u/o Erwachsenen gearbeitet?

Nein, um autistischen Menschen eine vollständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen braucht es mehr als nur therapeutische Interventionen für Autist*innen!

Natürlich wird zum größten Teil mit den Betroffenen gearbeitet, aber wichtige Interventionen sind auch noch:

  • den Eltern/Betreuern
    • Erlernen von Elternprogrammen, um die therapeutische Arbeit mit dem Kind daheim im vertrauten Umfeld fortzusetzen und vertiefen.
    • Programme und Wissen zur Selbstfürsorge, Krisenmanagement und anderen Strategien für die Alltagsbewältigung
    • Vorträge
  • dem Kindergarten/den Lehrkräften
    • Seminare für Pädagoginnen zur Wissensvermittlung über Autismus, Strategien und optimalen Rahmenbedingungen für ein harmonisches, bereicherndes Miteinander
    • Workshops für Schulklassen, in denen Schüler*innen Wissen über Autismus und Strategien für einen wertschätzenden Umgang miteinander vermittelt wird.
  • den Vorgesetzten/den Kollegen
    • Fortbildungsveranstaltungen für Firmen und Betriebe, in denen Wissens über Autismus und Strategien für einen wertschätzenden Umgang vermittelt werden.
  • Personen die im Gesundheitswesen tätig sind und Autist*innen ärztlich oder pflegerisch betreuen.
Unser Kind braucht verschiedene therapeutische Interventionen u/o Fördermaßnahmen - sollten wir sie nicht am Besten alle parallel abarbeiten?

Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass Du Dein Kind bestmöglich fördern möchtest und alle erforderlichen therapeutischen Interventionen und Fördermaßnahmen starten möchtest.

Gerade, wenn aber mehrere Themen offen sind und einige grundlegend verschiedene Therapie-Methoden empfohlen sind, ist es nicht unbedingt zu empfehlen alle offenen „Baustellen“ gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Ein Overkill an Therapien und Fördermaßnahmen kann direkt in die Überforderung führen und Rückschritte und sogar totale Blockaden auslösen.

Hier ist es um so wichtiger ein durchdachtes engmaschiges Konzept konsequent zu verfolgen, das von Expert*innen mit Bedacht auf Förderung ohne Überforderung erstellt wurde.

Auch Therapiepausen sind ein wichtiger Bestandteil eines Gesamtplanes – denn oft gelingt es autistischen Kindern erst in den Pausen, das Gelernte umzusetzen und neue Fähigkeiten zu entwickeln.

Idealerweise unterstützt dich ein kompetentes Team an Therapeut*innen, Psycholog*innen und Arzt*innen um die Reihenfolge der Interventionen festzulegen. Hast Du ein solches Team, oder auch einen vertrauenswürdigen Experten nicht an der Hand, kann dich unten genannte Abstimmung dabei unterstützen auch selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und zu entscheiden, wohin euch der therapeutische Weg Deines Kindes führen wird.

Natürlich kann diese Auflistung kompetente Beratung nicht ersetzen, aber durchaus sinnvoll ergänzen darf sie allemal.

Um eine sinnvolle Reihenfolge festzulegen gibt es eine sinnvolle Rangfolge – mehr dazu bei der nächsten Frage!

Wenn mehrere, verschiedene therapeutische Interventionen notwendig sind - in welcher Reihenfolge sollen wir dann vorgehen?

Wenn mehrere Bereiche therapeutischer Interventionen oder Fördermaßnahmen brauchen könnten, dann ist es sinnvoll Rangfolgen aufzustellen – und zwar nach mehreren Kategorien:

 

  •  Wichtigkeit
    • Welches Schwierigkeit beeinträchtigt das Leben derzeit am Stärksten?
    • Welche Herausforderung behindert die Entwicklung langfristig am Meisten?
    • Gegenprobe: Was ist am unwichtigsten? 
  • Erkennbarkeit einer Verbesserung
    • Wo würden wird am sichersten eine Verbesserung erkennen können?
    • Wobei lässt sich am leichtesten ein positive Veränderung dokumentieren?
    • Gegenprobe: Welche Veränderung wäre am schwersten zu erfassen oder welche Merkmale sind eher unsicher?
  • Umsetzbarkeit der Maßnahmen
    • Welche Wege zur Verbesserung lassen sich am leichtesten und sichersten umsetzen?
    • Welche Maßnahmen könnten am schnellsten, oder mit dem wenigstem Aufwand umgesetzt werden?
    • Gegenprobe: Welche Maßnahmen sind nur sehr schwer oder gar nicht durchführbar?
  • Erreichbarkeit der Ziele
    • Welches Ziel ist wahrscheinlich leicht zu erreichen?
    • Welches Ziel ist eher schwer erreichbar?
    • Welches Ziel muss als vermutlich ’nicht erreichbar‘ betrachtet werden?

 

 

Wie lange wird mein Kind therapeutische Interventionen brauchen?

Die Diagnose Autismus gilt ein Leben lang, das bedeutet aber nicht, dass auch ein Leben lang ein therapeutische Begleitung und Fördermaßnahmen notwendig sind. Die Lebensqualität der Betroffenen und auch derer Familien soll verbessert – denn in der Regel hat Autismus einen Einfluss auf die Lebensqualität aller Familienmitglieder.

Je nach individuellen Herausforderungen und Schwierigkeiten sollten aber mehrere Jahre therapeutischer Begleitung, wie etwa Ergo- oder Musiktherapie etc.  und spezifischer Fördermaßnahmen, wie etwa sozialen Kompetenztrainigs o.ä. eingerechnet werden. Es braucht sehr langfristig unterstützende Maßnahmen, die auch das Erleben der Familie mitberücksichtigen und darauf abgestimmt werden.

Der Bedarf verschiebt sich im Lauf der individuellen Entwicklung möglicherweise, ebbt zwischendurch sogar ab und kommt zeigt sich dann vielleicht in anderen Bereichen.

Beispielsweise braucht ein kleines Kind intensive Unterstützung beim Spracherwerb und der feinmotorischen Koordination, später – erst wenn die Sozio-emotionale Entwicklung das Konzept der Freundschaft zuwendet und die eigenen Defizite im Umgang mit anderen Kindern bewusst werden, kann ein Sozialkompetenztraining in den Vordergrund treten. Leider kommen im Lauf der Entwicklung bei vielen Autist*innen auch einige sehr ungünstige Erfahrungen dazu und das eigene Anders-Sein wird nicht unbedingt positiv wahrgenommen. So verschiebt sich der therapeutische Bedarf dann weiter in Richtung Coping-Strategien entwickeln oder der psychotherapeutischen Behandlung depressiver Symptome.

Dies ist nur ein Beispiel und trifft keineswegs auf jedes autistische Kind in dieser Form zu, zeigt aber auf, wie wichtig es ist, eine Begleitung die ganzheitlich die Lebenssituation betrachtet und Prioritäten im Bezug auf das momentane Erleben setzt!

Therapien und Fördermaßnahmen für Kinder und Erwachsene mit Autismus gibt es viele. Dabei nicht den Überblick zu verlieren, einschätzen zu können was zu welchem Zeitpunkt sinnvoll sein kann, oder was auf jeden Fall nicht der optimale Weg sein kann, ist da schon ziemlich ziemlich schwierig.

Manche Ansätze sind schon seit Jahrzehnten in der Praxis gängig und in der Theorie stabil und gut erforscht, andere sind gerade erst im Kommen und wieder andere sind zum Glück schon längst Vergangenheit – oder sollten es zumindest sein!

Der folgende Überblick ist nicht vollständig – ich freu mich sehr über Deine Nachricht, wenn du einen wichtigen therapeutischen Ansatz kennst, den ich hier nicht angeführt habe. Außerdem ist diese Auflistung möglichst neutral und wertfrei gehalten – obwohl es über den einen oder anderen Weg große Kontroversen gibt.

Eine Kontroverse betrifft auch die Idee, dass es nicht ok ist, Kindern mit Therapien und Förderungen das Gefühl zu geben, dass sie nicht ok sind. Diese Diskussion kann ich aus manchen Perspektiven sehr gut verstehen und nachvollziehen, sie wird aber dem breiten Spektrum und all den Schwierigkeiten die Kinder mit Autismus haben und erleben können nicht gerecht.

Nicht alles passt in Schubladen, so geht es auch den aufgelisteten Methoden, gegebenenfalls tauchen sie einfach in mehreren Kategorien auf.

Psychologische Interventionen

Kurzüberblick

Musiktherapie

Kunsttherapie

Systemische Therapie

Lösungsorientierte Therapie

Familientherapie

Senso-Motorische Interventionen

Kurzüberblick

Ergotherapie

Physiotherapie

Logopädie

Tomatis-Therapie

Sensorische Integration (SI)

Komm!ASS

Massage

Yoga

Rhythmik

Tanztherapie

Affolter

Basale Stimulation

Original Play

Kinästhetische Therapie

Osteopathie

Delacato

Craniocasraltherapie

Verhaltens- u. Entwicklungsintervent.

Kurzüberblick

Frühförderung nach Lovaas

ABA

RDI

FIAS

DIR

PLAY

Frühförderung nach Lovaas

Spieltherapie

Aufmerksamkeits-Interaktions-Therapie

SPELL

ASPEKT Autismus Spezifisches Emotions-Kompetenz-Training

Involvierungstherapie

Multifunktionelle Fördertherapie

 

Biomedizinische Interventionen

Kurzüberblick

Medikamentöse Therapie

Ernährungsumstellung, Diäten

Mikrobiologische Therapien

Orthomolekularmedizin

Stammzellentherapie

Homöopathie

Assistive und Adaptive Interventionen

Kurzüberblick

 TEACCH

PECS

FC / UK (unterstützte Kommunikation)

Visuelle Strukturen und Orientierungssysteme

Gebärdensprache zählt auch dazu

Computergestütztes Training zur Erkennung von Gesichtsausdrücken

Smart-Phone Apps

Social stories

schwere Gegenstände zur Unterstützung der Selbstwahrnehmung

Irlenbrille, Prismagläser

Neurofeedback

Videomodellierung

Echolokationslaute -Dolphin Space

Therapieroboter (Keepon)

 

Tiergestützte Interventionen

Kurzüberblick

Therapiehunde

Therapiekatzen

Heiltherapeutisches Reiten

Delfintherapie

Dolphin Space

Elterprogramme

Kurzüberblick

Marte Meo

Psychoedukation der Eltern

Beratung

Elterntraining

Ggf. Familientherapie

Multifamilientherapie

Systemisches Elterncoaching und Gewaltfreier Widerstand

„NAS EarlyBird“ Programm

Selbsthilfe – Gruppen

 

Inklusive Interventionen

Kurzüberblick

Psychoeduktion für Lehrer, Erziehern, (Eltern und Betroffene)

Soziales Gruppentraining, Soziales Kompetenztraining

Beratung und Berufliche Förderung

Coaching

Integrationshilfe, Eingliederungshilfe

Förderung von Sozialkontakten in der Freizeit

 

No-Go Interventionen

Kurzüberblick

Einige Therapieverfahren sind sehr umstritten oder definitiv schädlich.

Behandlung mit Natriumchlorit auch als MMS bezeichnet (Miracle Mineral Supplement oder Master Mineral Solution)

Chelat-Therapie

Festhaltetherapie

ABA (?) Trotz wissenschaftlicher Evidenz herrscht beim Thema ABA ein großes Kontroverse! Es bedarf hier noch eingehender Recherche und ein Artikel dazu folgt, sobald es mir irgend wie möglich ist. 

Darf ich Autisten therapieren?

Hier möchte ich eine Kontroverse aufgreifen, die ich in den letzten Jahren immer häufiger im Netz finde. Ist es ethisch überhaupt vertretbar autistische Kinder therapieren zu wollen? Schließlich wird ja die Forderung nach Verständnis immer lauter.

Dazu möchte ich als Mutter eines betroffenen Kindes, aber auch als Therapeutin, meine ethischen Grundsätze erläutern.

Ich akzeptiere mein Kind, ich liebe mein Kind – und überall dort, wo mein Kind, oder auch wir anderen Familienmitglieder einen starken Leidensdruck erleben, übernehme ich die Verantwortung, die ich als Mutter habe und sorge dafür, dass uns allen so gut wie möglich geholfen wird.

Leidensdruck ist etwas subjektives, und gerade bei kleinen Kindern und bei solchen, denen der sprachliche Ausdruck (noch) fehlt, kann nur erahnt werden, worunter das Kind leidet, auch wenn dabei sehr eindeutig ist, dass es leidet.

In der Praxis als Therapeutin gibt es neben dem Leidensdruck auch noch Situationen in denen sozusagen „zwangstherapiert“ wird – ohne eine Freiwilligkeit des Betroffenen Menschen vorauszusetzen – dies sind die Fremdgefährdung und die Selbstgefährdung. Auch für mein Kind – welches sehr intensive selbstgefährdende Aktivitäten an den Tag legte – gilt und galt hier der Grundsatz – solange du jeden Tag dein Leben riskierst, ohne es zu merken, ist es meine Aufgabe Wege und Lösungen zu finden, die das verhindern. Diese Wege und Lösungen sind leider nicht, dem Kind mit möglichst viel Verständnis und Liebe zu begegnen und es tun zu lassen, was ihm gerade Freude macht.

Man darf mich für diesen Ansatz gerne verurteilen, doch ich wage zu behaupten, all jene Menschen, die sich im Netz so vehement für die Akzeptanz von autistischen Menschen einsetzen, haben mit sehr schwer betroffenen Kindern weder gearbeitet, noch selbst eine solche Kindheit erlebt.

Wenn mein Kind eines Tages in der Lage sein sollte, selbstständig einen Computer zu bedienen und damit einen öffentlich lesbaren Beitrag oder Artikel zu verfassen, der sowohl sprachlich ausgefeilt, grammatikalisch korrekt,  strukturiert und sinnvoll argumentiert seine persönliche Meinung zu einem kontrovers diskutiertem Thema kund zu tun – Leute, dann bin ich nicht am Ziel meiner Bemühungen als Mutter angekommen, sondern dann sind wir darüber schon viele Meilen weit hinausgeschossen.

Ich bitte also neben dem Verständnis für Menschen mit Autismus, auch um Verständnis für deren Eltern, die nicht einfach nur Kinder groß ziehen, sondern eine viel anstrengendere Aufgabe haben und auch ihr Bestes geben um dieser gerecht zu werden mit der steten Vision für ihr Kind so viel an Inkluision und Teilhabe zu erreichen und das größtmögliche Maß an Autonomie zu erlangen. Das allein, dient zwar als gute Basis, hilft unseren Kinder vermutlich aber trotzdem noch nicht ausreichend auf ihrem Lebensweg weiter.

Natürlich müssen wir uns fragen, wie wir als Eltern es noch besser lernen können unserem Kind gerecht zu werden – indem auch wir selbst Angebote wahrnehmen die uns in unseren Bemühungen unterstützen, uns ein Repertoire an deeskalierende Maßnahmen in die Hand gibt und uns auch hilft uns selbst zu helfen, wenn unsere Ressourcen vebraucht scheinen, uns unsere Elternschaft über den Kopf zu wachsen droht und auch die eigenen Emotionen einfach mal eine tiefergehende Auseinandersetzung brauchen. Wer je mit einem Kind unterwegs war, das sich lieber auf Kanaldeckel legt als die Straße zu überqueren, das lieber Zigarettenstummel, Kaugummis vom Boden in den Mund steckt und isst, als ein mit Nährstoffen reiches Vollwertmenü, das lieber in einer eigenen Sprache mit für mich unsichtbaren Wesen spricht, als mir eine Antwort zu geben, das lieber auf eine Pferdekoppel ausbüxt, als einfach an der Hand spaziert, das sich als Nichtschwimmer in die Fluten stürzt oder in seiner Hilflosigkeit auf jede Nähe aggressiv reagiert… kann vielleicht verstehen, dass sich als Eltern mit einem autistischen Kind die Frage nicht stellt, ob mein Kind das jetzt toll findet, dass wir es speziell fördern, in Therapien stecken und manche Dinge vom Speiseplan streichen (z.B. Uhustick und Radiergummis…). Wir müssen es einfach tun – unsere Fragestellung lautet nicht „Dürfen wir überhaupt eine Therapie ins Auge fassen, oder fühlt sich unser Kind dann nicht akzeptiert wie es ist?“ Wir müssen uns fragen „Welche Therapie kann meinem Kind helfen, sich nach dem eigenen Potenzial am optimalsten zu entwickeln und welche Ansätze finde ich persönlich am vertretbarsten, am sinnvollsten und am vielversprechendsten.“ 

That’s it.