Eine neue Dynamik für Autismus!

Am 2. April ist es wieder so weit, zum 12. Mal findet der internationale Welt-Autismus-Tag statt. Dieser Tag soll – ganz in unserem Sinne – über das Phänomen Autismus informieren und aufklären um so den Betroffenen mit mehr Verständnis begegnen zu können und letztlich auch weitere wichtige Schritte in den Bereichen schulische, berufliche und gesellschaftliche Partizipation zu gehen. Weltweit sind etwa 70 Millionen Menschen, bei einer geschätzten Prävalenz von 1%, Autist*innen. Allein im deutschsprachigen Raum sind es also etwas mehr als 1 Million (A: 88.000, D:830.000,  Ch: 84.0000) und in Europa  7,4 Millionen (gesamt, nicht nur EU). Eine unglaublich große Anzahl Menschen also, die unter erschwerten Lebensbedingungen leiden, es oft nicht schaffen ihr volles Potenzial auszuleben und in allen Lebensbereichen auch wirklich teilhaben zu können. Daran muss gearbeitet werden!

  1. Es braucht viel umfangreichere Möglichkeiten der Inklusion, die voraussetzen, dass es in der Bevölkerung fundiertes Wissen über Autismus und die damit einhergehenden besonderen Bedürfnisse und Anforderungen gibt. Nur so, kann Inklusion und Partizipation auch wirklich gelingen, eine wertschätzende Sprache und ein verständnisvoller Umgang zur Selbstverständlichkeit werden.
  2. Es braucht viel mehr und teilweise auch besser aufgestellte (sowohl personell als auch inhaltlich) Diagnose- und Förder- und Therapiezentren, in denen sowohl autistische Kinder, als auch jugendliche und Erwachsenen die Möglichkeit bekommen, unterstützt zu werden – auf allen Ebenen wo dies erforderliche ist.
  3. Es braucht in fast allen Lebensbereichen auch noch spezifischere Angebote für Autist*innen. Beispielsweise sind Arztbesuche oft mit besonderem Stress verbunden. Es braucht also Ärzt*innen – sowohl Fachärzte, also auch Allgemeinmediziner, die sich mit dieser Thematik so weit auseinander setzen um auch ihren autistischen Patient*innen ein positives, nicht-traumarisierendes Erlebnis bieten können und so der Gesundheitsvorsorge autistischer Menschen gerecht werden können.
  4. Es braucht noch ein großes Entwicklungpotenzial im Bereich Schulische Inklusion. Je nach individueller Ausgangslage (etwa der Betroffenheit, Selbständigkeit, Intelligenz und Zugänglichkeit) sollten Autist*innen, die dazu in der Lage sind, bevorzugt den Besuch einer Schule anstreben, die sie auf das spätere Leben so vorbereitet, dass sie in der Lage sind sich in unserer Gesellschaft bestmöglich zurecht zu finden. Die Sonderschule/Förderschule kann – muss aber keineswegs (!) – der bessere Ort sein, sofern die Bedürftigkeit des autistisches Kindes sehr hoch ist. Bei durchschnittlicher Intelligenz ist der Regelschule aber unbedingt der Vorzug zu geben. Dort müssen Rahmenbedingungen zu schaffen sein, die dem Kind die bestmögliche Unterstützung auf dem herausfordernden Schulleben bieten. Gerade autistische Menschen erleben oft eine sehr schwierige Schulzeit und leiden u.a. dadurch später weit häufiger an schweren psychischen Erkrankungen – Depressionen und Ängste
  5. Es braucht außerdem einen Arbeitsmarkt, der die bereichernden Fähigkeiten und versteckten Talente autistischer Menschen wertschätzt und nutzt – anstatt sie aufgrund formaler Schwierigkeiten brach liegen zu lassen. Selbstständig leben zu können, braucht ein eigenes Einkommen und auch das gute Gefühl der Bestätigung und Wertschätzung der Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen. Die Arbeitslosenrate autistischer Menschen – auch Akademiker – ist weit höher als in Vergleichsgruppen. Das muss nicht sein – nicht im 21. Jahrhundert.

Autismus-Europe hat für die Europaratwahlen 2019 ein Manifest erstellt, das u.a. die oben genannten und auch noch weitere wichtig Punkte zusammenfasst und den künftigen Mitgliedern des Europäischen Parlaments vorlegt und ihre Unterstützung fordert die Rechte autistischer Menschen in der nächsten Legislaturperiode (2019-2024) in ganz Europa zu fördern!

 

 

Mach mit und unterstütze Autism-Europe in seinen Forderungen für ein  Autist*innen-freundliches Europa. Vier Schritte sind erforderlich

  1. pdf (unten) ausdrucken
  2. Unterschreiben
  3. Einscannen oder fotographieren
  4. An communication@autismeurope.org senden.